99 feminine Substantive aus der Bildungssprache und was sie bedeuten

99 feminine Substantive aus der Bildungssprache und was sie bedeuten

Bildungssprachliche Begriffe sind häufig dem Lateinischen entnommen und finden sich bevorzugt im akademischen Umfeld. Typisch wäre es, von einem Debakel zu sprechen, statt Worte wie Niederlage oder Misserfolg zu verwenden.

Hier kommen die wichtigen, häufig gebrauchten Substantive. Begriffe, die man immer wieder hört, in Büchern, in Zeitungsartikeln, in Kommentarspalten, in guten Reden. Wer sie benutzt, klingt eloquent und belesen. Doch nicht jede Vokabel sitzt, und kaum eine wird sofort richtig verstanden, geschweige denn aktiv korrekt verwendet.

Diese Begriffe solltest du vielleicht kennen. Du kannst sie einzeln im Wörterbuch nachschlagen oder hier in der bequemen Übersicht genießen. Diese Liste hilft in bildungssprachlichen Notlagen.

Feminine Substantive dieser Art geben einem Text Gewicht. Sie zeigen nebenbei, dass jemand über Bildung verfügt und die Begriffe beherrscht. Was Bildungssprache im Kern ist, steht in einem eigenen Beitrag. Die Adjektive aus der Bildungssprache habe ich in einem früheren Beitrag erklärt.

Mit solchen Begriffen werden Texte präziser, mitunter auch anspruchsvoller. Zu viele davon wirken schnell arrogant oder deplatziert, und schwer lesbar wird der Text obendrein. Manchmal ist genau das gewollt. Wer eine Vokabel genauer fassen will, schlägt sie im Duden nach. Wer den Wortschatz lieber systematisch ausbaut, findet einen 14-Tage-Plan dafür. Ein paar verwandte Sammlungen gibt es außerdem.

Liste femininer bildungssprachlicher Substantive

Diese Wörter haben häufig noch andere oder zusätzliche Bedeutungen. Es kommt auf den Kontext an, in dem sie stehen. Hier geht es ausschließlich um die bildungssprachliche Lesart. Wer Fremdwörter gezielt einsetzen will, achtet ohnehin genau darauf.

Feminine Substantive der Bildungssprache sind weibliche Hauptwörter einer gehobenen Sprachebene, etwa Diskrepanz, Akribie oder Kohärenz. Die meisten stammen aus dem Lateinischen und enden auf -ität, -ion, -anz oder -enz.

  1. Absenz — das Fehlen oder Nichtvorhandensein von etwas
  2. Agilität — Wendigkeit, Lebhaftigkeit, Beweglichkeit
  3. Agonie — Todeskampf
  4. Akribie — äußerste Genauigkeit, Sorgfalt in der Ausführung
  5. Ambition — auf ein Ziel gerichtetes Streben, Ehrgeiz
  6. Ambivalenz — Zwiespältigkeit, Spannungszustand, Zerrissenheit
  7. Analyse — Vorgang, bei dem etwas in seine Teile zerlegt und anschließend untersucht wird
  8. Antipathie — Widerwille, Abneigung
  9. Antithese — Gegenbehauptung; einer These entgegengestellte These
  10. Apathie — Teilnahmslosigkeit, Gleichgültigkeit
  11. Approximation — Annäherung
  12. Aspiration — Bestrebung, Hoffnung, ehrgeiziger Plan
  13. Assoziation — ursächliche Verknüpfung von Vorstellungen
  14. Attitüde — innere Haltung, Einstellung
  15. Attraktion — Anziehung, Anziehungskraft
  16. Autarkie — Unabhängigkeit von äußeren Dingen und Einflüssen
  17. Authentizität — Echtheit, das Authentischsein
  18. Aversion — Abscheu, Widerwille
  19. Contenance — Fassung, Haltung in einer schwierigen Lage
  20. Dedikation — Widmung
  21. Dependance — Niederlassung, Zweigstelle
  22. Desavouierung — Schmach, Brüskierung, Blamage
  23. Destination — Bestimmung, Endzweck
  24. Dezenz — Takt, Feingefühl, Zurückhaltung, Unaufdringlichkeit, Unauffälligkeit
  25. Diffamierung — gezielte Verleumdung
  26. Differenz — Unterschied zweier Zahlen oder Größen
  27. Dignität — Würde
  28. Direktive — Richtlinie, Verhaltensmaßregel von oben
  29. Diskrepanz — Widersprüchlichkeit, Missverhältnis zwischen zwei Sachen
  30. Diskrimination — Diskriminierung, Unrecht, Verfolgung, Benachteiligung
  31. Disproportionalität — Missverhältnis
  32. Distinktion — Unterscheidung
  33. Divergenz — Auseinanderstreben, Auseinandergehen von Meinungen und Ansichten
  34. Doktrin — wissenschaftliche Lehre, ein System von Ansichten
  35. Dualität — Zweiheit, wechselseitige Zuordnung
  36. Elementarität — elementare Beschaffenheit
  37. Eloquenz — Beredsamkeit, Wortgewandtheit
  38. Euphorie — vorübergehend gesteigertes Lebensgefühl, begeisterter Gemütszustand
  39. Exkulpation — Befreiung vom Vorwurf des Verschuldens, Schuldbefreiung
  40. Familiarität — plump vertrauliches Verhalten, Zudringlichkeit
  41. Fiktion — etwas Vorgestelltes, Ausgedachtes
  42. Fluktuation — Schwankung
  43. Fortune — Glück, Erfolg (französisch ausgesprochen, [fɔʁ.tyn], also etwa Fortühn)
  44. Gravität — feierliche Würde
  45. Hypothese — unbewiesene Annahme, Unterstellung
  46. Imagination — Einbildungskraft, Fantasie
  47. Implikation — Bedeutung, Einbeziehung einer Sache in eine andere
  48. Imponderabilie — Unwägbarkeit
  49. Indifferenz — Gleichgültigkeit, Uninteressiertheit
  50. Inkonsequenz — das Fehlen von logischer oder sachlicher Folgerichtigkeit. Wer inkonsequent handelt, hält sich nicht an eigene Regeln, Pläne oder Prinzipien
  51. Innovation — Neuerung
  52. Insistenz — Beharrlichkeit, Hartnäckigkeit
  53. Inspiration — erhellende Eingebung, schöpferischer Einfall
  54. Integration — Vervollständigung, Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes
  55. Intervention — Einflussnahme, Einmischung
  56. Intimität — Vertrautheit, Vertraulichkeit
  57. Invektive — Beleidigung, beleidigende Äußerung, Beschimpfung, Schmähung
  58. Kohärenz — Zusammenhang, Abstimmung, Koordination
  59. Kohäsion — innerer Zusammenhalt
  60. Komposition — kunstvoll Gestaltetes, Zusammengestelltes
  61. Kontemplation — Rückzug auf sich selbst, Versenkung in sich selbst
  62. Kontroverse — Meinungsverschiedenheit, Auseinandersetzung um eine Sachfrage
  63. Konvergenz — Annäherung, Übereinstimmung von Meinungen und Zielen
  64. Konversation — Smalltalk, oberflächliches und unverbindliches Geplauder
  65. Konzilianz — Umgänglichkeit, Entgegenkommen
  66. Kreativität — schöpferische Kraft, kreatives Vermögen
  67. Krux — Last, Kummer, Leid, Schwierigkeit
  68. Lakonie — lakonische Art des Ausdrucks, Kürze, Einfachheit
  69. Lethargie — Zustand körperlicher und psychischer Trägheit
  70. Malaise — Unbehagen, Missstimmung, Notlage, Misere
  71. Manie — Besessenheit, Zwang, sich in bestimmter Weise zu verhalten
  72. Maxime — Leitsatz, Leitlinie, Devise
  73. Mission — Auftrag, Entsendung
  74. Modifikation — Abwandlung, Abänderung, modifizierte Form
  75. Modifizierung — Abwandlung, Änderung, Korrektur, Variation
  76. Obskurität — Dunkelheit, zweifelhafte Herkunft, Unbekanntheit
  77. Operation — Handlung, Unternehmung
  78. Perseveranz — Ausdauer, Beharrlichkeit
  79. Phantasmagorie — Trugbild, Täuschung
  80. Phase — Abschnitt, Stufe innerhalb einer stetig verlaufenden Entwicklung
  81. Präferenz — Vorliebe, Neigung
  82. Prämisse — Voraussetzung, gedankliche Grundlage
  83. Präpotenz — Übermächtigkeit
  84. Präsenz — Anwesenheit, Gegenwärtigkeit
  85. Präsumtion — Annahme, Vermutung, Voraussetzung
  86. Prävalenz — Überlegenheit, Vorherrschaft
  87. Präzision — Eindeutigkeit, Genauigkeit
  88. Punktualität — Genauigkeit, Exaktheit
  89. Ratio — Vernunft
  90. Reflexion — vertieftes Nachdenken, Überlegung
  91. Relation — Beziehung, Verhältnis
  92. Relevanz — Bedeutsamkeit, Wichtigkeit
  93. Renitenz — Bockigkeit, Eigensinnigkeit, Widerborstigkeit, Widersetzlichkeit
  94. Reputation — guter Ruf
  95. Retrospektive — Rückblick, Rückschau
  96. Rigorosität — Unerbittlichkeit, Härte
  97. Schimäre — Hirngespinst (auch Chimäre)
  98. Sentenz — Sinnspruch, Denkspruch
  99. Servilität — Unterwürfigkeit
  100. Signifikanz — Bedeutsamkeit, statistische Aussagekraft
  101. Suada — Redeschwall, Wortschwall
  102. Supposition — Voraussetzung, Annahme
  103. Temperenz — Enthaltsamkeit, Mäßigung beim Alkohol
  104. Tirade — ein anhaltender Redeschwall
  105. Transzendenz — der Bereich jenseits jeder möglichen Erfahrung
  106. Usance — Brauch, Usus, gewohnheitsmäßiges Verhalten im geschäftlichen Bereich
  107. Variante — leicht veränderte Art, Abwandlung, Abart, Spielart
  108. Virtualität — Möglichkeit oder Potential, das einer Sache innewohnt
  109. Vita — Leben, Lebenslauf, Lebensgeschichte eines Menschen
  110. Zivilität — Anständigkeit, Höflichkeit

Warum so viele dieser Wörter feminin sind

Das Genus ist hier kein Zufall. Substantive mit den Endungen -ität, -ion, -anz, -enz, -ie und -ur sind im Deutschen fast ausnahmslos feminin, und genau diese Endungen bringen die lateinischen Lehnwörter mit. Wer Diskrepanz sagt, muss über den Artikel nicht nachdenken.

Ein kleinerer Teil kam über das Französische ins Deutsche, etwa Contenance, Dependance, Malaise und Usance. Man hört es an der Aussprache. Bildungssprache ist dabei keine eigene Sprache, sondern eine Sprachebene innerhalb des Deutschen, die sich vor allem im Wortschatz zeigt.

Wer die Liste nicht nur überfliegen will, nimmt sich fünf Wörter pro Woche vor und benutzt sie auch. Ein paar Kniffe fürs Vokabellernen helfen dabei, wenn stures Wiederholen zu zäh wird.

Die Liste ist nicht vollständig. Wird sie womöglich auch nie.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage

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