Ein vom KI Bundesverband koordiniertes Forschungskonsortium hat am 13. Juli Soofi S veröffentlicht, ein offenes Sprachmodell mit 31,6 Milliarden Parametern, von denen pro Token nur 3,2 Milliarden rechnen. Trainiert wurde es komplett auf der Industrial AI Cloud der Deutschen Telekom in München, mit einem bewussten Schwerpunkt auf deutsche Trainingsdaten. Laut Pretraining-Report führt Soofi S unter den vollständig offenen Modellen die deutschen und englischen Benchmarks an. Ein deutsches KI-Modell, das mal ganz vorne steht. Das kommt selten genug vor.
Die Zahlen: 79,1 Punkte im deutschen Aggregat, 70,1 im englischen. Damit schlägt Soofi S das Schweizer Apertus 70B und das amerikanische Olmo 3 32B, obwohl beide deutlich mehr Parameter mitbringen. Möglich macht das eine hybride Mamba-Transformer-Architektur, unverändert übernommen von Nvidias Nemotron 3 Nano. Nur 6 der 52 Layer halten überhaupt einen Zwischenspeicher für lange Kontexte, deshalb bleibt der Durchsatz von 4.000 bis 256.000 Token nahezu konstant, während dichte Modelle einbrechen. Dahinter stecken 27 Billionen Trainings-Token, 512 Nvidia-B200-Chips und 253.000 GPU-Stunden zwischen März und Mai. Bei Code liefert das Modell 73,8 Prozent auf HumanEval, im Open-Source-Vergleich der beste Wert.
Für dich als Nutzer heißt das: ein leistungsfähiges Modell, das man selbst betreiben kann, ohne seine Daten in die USA oder nach China zu schicken. Genau das Versprechen, das hinter der viel beschworenen digitalen Souveränität steckt. Wer eine solche KI lokal laufen lassen will, findet die Grundlagen in unserem Überblick zu lokaler KI auf dem eigenen Rechner. Und wer wissen will, wo Deutschland im KI-Rennen wirklich steht, liest unsere Einordnung zur deutschen KI-Strategie zwischen Souveränität und Aufholjagd.
Makellos ist Soofi S nicht. In deutscher Wettbewerbsmathematik fällt es hinter Qwen3.5 und Gemma 3 zurück, bei einer speziellen Langtext-Aufgabe bricht die Trefferrate jenseits von 32.000 Token auf rund 3 Prozent ein. Und unter welcher Lizenz das beste offene deutsche Modell überhaupt erscheint, ist bis jetzt nicht ganz klar, weil 1,3 Prozent der Trainingsdaten kommerziell lizenziert sind. Beteiligt sind unter anderem die Fraunhofer-Institute IAIS und IIS, das DFKI, die TU Darmstadt und die Universität Würzburg. Das Konsortium sucht jetzt Industriepartner, die das Modell in echten Anwendungen erproben.
Quellen
- Soofi: Sovereign Open Source Foundation Models, Soofi S 30B-A3B
- Fraunhofer IAIS: Soofi, ein Modell für industrielle KI in Europa
- The Decoder: Deutsches Konsortium veröffentlicht offenes KI-Modell Soofi S für Deutsch und Englisch
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