Diagramme mit KI erstellen – so einfach geht es

Diagramme mit KI erstellen

Diagramme mit KI erstellen geht schneller als mit jeder Office-Software. Man beschreibt, was man haben will, und bekommt ein fertiges Diagramm. Keine kryptischen Menüs, keine Formatierungskämpfe, kein Nachschlagen von Funktionsnamen. ChatGPT, Claude und Gemini beherrschen das alle – mit unterschiedlichen Stärken.

Aber wie unterschiedlich? Ich habe allen drei KIs denselben Prompt gegeben – einmal ein typisches Business-Diagramm, einmal etwas für die Uni. Gleiche Daten, gleiche Anweisung. Die Ergebnisse zeigen, dass »Diagramm mit KI« je nach Anbieter etwas anderes bedeutet.

Der Vergleich – derselbe Prompt, drei KIs

Zwei Prompts, drei KIs, sechs Ergebnisse. Alle bekamen exakt denselben Text. Kein Nachkorrigieren, kein zweiter Versuch – das erste Ergebnis zählt. Wichtig dabei: Das ist eine Momentaufnahme. Mit dem nächsten Modell-Update kann das schon wieder anders aussehen. Und wer ein bestimmtes Ergebnis will, kann es einfach sagen – vorher oder nachher.

Prompt 1 – Umsatzentwicklung (Business)

Erstelle ein Balkendiagramm mit diesen Quartalsumsätzen: Q1 340.000€, Q2 410.000€, Q3 380.000€, Q4 520.000€. Titel: Umsatzentwicklung 2025. Verwende Blautöne, heller für niedrige Werte, dunkler für hohe. Weißer Hintergrund, Werte über den Balken anzeigen.

ChatGPT:

Diagramme mit KI – ChatGPT Balkendiagramm Umsatzentwicklung

Claude:

Diagramme mit KI – Claude Balkendiagramm Umsatzentwicklung

Gemini:

Diagramme mit KI – Gemini Balkendiagramm Umsatzentwicklung

Alle drei liefern ein brauchbares Balkendiagramm. Die Unterschiede liegen im Detail: Schriftgröße, Abstände, Farbabstufung, Achsenformatierung. Wer es direkt verwenden will, spart sich bei dem einen Anbieter einen Korrekturschritt, bei dem anderen nicht.

Prompt 2 – Lernmethoden (Uni)

Erstelle ein Kreisdiagramm: Umfrage unter 200 Studierenden zu Lernmethoden. Vorlesungsmitschriften 35%, Lehrbücher 25%, YouTube-Videos 20%, KI-Tools 15%, Lerngruppen 5%. Titel: Wie Studierende 2025 lernen. Prozente direkt an den Segmenten anzeigen, unterschiedliche Farben, weißer Hintergrund.

ChatGPT:

Diagramme mit KI – ChatGPT Kreisdiagramm Lernmethoden

Claude:

Diagramme mit KI – Claude Kreisdiagramm Lernmethoden

Gemini:

Diagramme mit KI – Gemini Kreisdiagramm Lernmethoden

Beim Kreisdiagramm werden die Unterschiede deutlicher. Farbwahl, Platzierung der Prozentangaben, Lesbarkeit der kleinen Segmente – hier zeigt sich, welche KI von Haus aus ein Auge für Gestaltung hat und welche eher den Standardweg geht. Wer etwas bestimmtes haben will, muss es aber nur sagen. KI ist flexibel.

Was fällt auf?

ChatGPT erzeugt Diagramme über Python-Code (matplotlib) im Hintergrund. Standardmäßig kommt PNG raus, wer SVG will, muss es im Prompt sagen. Die Ergebnisse sehen technisch solide aus, haben aber den typischen matplotlib-Look – funktional, nicht hübsch. Claude generiert SVG-Diagramme direkt als Artifacts, sofort skalierbar und bearbeitbar. Gemini nutzt ebenfalls Code-Ausführung, wollte anfangs kein SVG erzeugen, kann es aber.

Für schnelle Visualisierungen im Alltag tut es jede der drei KIs. Für präzise Kontrolle über Farben, Schriften und Format hat Claude durch die SVG-Ausgabe einen Vorteil. Wer welche KI wofür nehmen sollte, steht im Vergleich Claude vs. ChatGPT vs. Gemini.

Welche Diagramme kann KI erstellen?

Die Liste ist lang. Hier die wichtigsten Typen, die alle drei KIs beherrschen:

  • Balkendiagramm (Bar Chart) – der Allrounder für Vergleiche
  • Kreisdiagramm (Pie Chart) – Anteile an einem Ganzen
  • Liniendiagramm (Line Chart) – Trends über Zeit
  • Gestapeltes Balkendiagramm (Stacked Bar) – Zusammensetzungen vergleichen
  • Histogramm – Verteilung einer Variable
  • Streudiagramm (Scatter Plot) – Beziehungen zwischen zwei Variablen
  • Blasendiagramm (Bubble Chart) – wie Scatter, mit zusätzlicher Dimension
  • Heatmap – Intensität im 2D-Raum
  • Boxplot – Verteilung durch Quartile
  • Flächendiagramm (Area Chart) – wie Linie, mit ausgefüllter Fläche
  • Violin Plot – Boxplot plus Dichteverteilung
  • Netzdiagramm (Spider/Radar Chart) – mehrdimensionale Daten
  • Donut Chart – Pie mit Loch
  • 3D Plot – drei Dimensionen
  • Polar Area Chart – polares Koordinatensystem

Dazu kommen spezialisierte Typen wie Fishbone-Diagramme (Ishikawa) für Ursachenanalyse, Sequenzdiagramme, Klassendiagramme und Aktivitätsdiagramme. Claude rendert Mermaid-Diagramme direkt als Artifact, bei ChatGPT läuft das über Code-Ausführung. Mermaid ist eine Markdown-ähnliche Sprache für Diagramme – besonders nützlich für Flowcharts und Prozessdarstellungen.

Tipps für bessere Diagramme mit KI

Ein paar Dinge, die den Unterschied machen zwischen »ganz okay« und »das nehme ich so«:

Farben explizit vorgeben. Ohne Anweisung nimmt die KI Standardfarben, die selten zum eigenen Design passen. Hintergrund festlegen – transparent für Präsentationen, weiß für Dokumente. Beschriftungen präzise anfordern: Achsentitel, Legende, Werte direkt an den Balken. Und wenn das erste Ergebnis nicht passt: iterieren. »Mach die Schrift größer, entferne die Legende, sortiere nach Größe« – gute Prompts sind oft Korrekturen am ersten Ergebnis.

Wer regelmäßig Diagramme braucht, sollte sich einen Standard-Prompt bauen: Farben, Schriftgröße, Hintergrund, Format – einmal definiert, immer konsistent. Bei Claude lässt sich das als Skill hinterlegen, bei ChatGPT als Custom Instructions.

Welches Format idst am besten – SVG oder PNG?

SVG skaliert verlustfrei, lässt sich nachträglich bearbeiten und hat eine kleinere Dateigröße. Für Websites, Präsentationen im Browser und technische Dokumentation ist es die bessere Wahl. Claude liefert SVG von Haus aus, bei ChatGPT und Gemini muss man es im Prompt verlangen.

Aber: SVG funktioniert nicht überall reibungslos. Word kann es erst seit kurzem und auch nur eingeschränkt, ältere Office-Versionen versagen komplett. Google Docs kann SVG nicht direkt einbetten, LibreOffice kommt besser damit klar. Wer Diagramme in Word- oder PowerPoint-Dokumente einbauen will, ist mit PNG oft pragmatischer bedient. Die KI kann beides liefern – man muss nur sagen, was man braucht.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage