
Akademische Abkürzungen begegnen einem überall in schlauen Büchern, Aufsätzen und Dokumenten. Oft übersieht man sie, manchmal rätselt man. Wofür stehen sie?
In der akademischen Welt sind Abkürzungen mehr als Platzersparnis. Sie sind das Ergebnis einer jahrhundertelangen Schreibtradition, die Verweise knapp und unaufdringlich hält, ohne dass die Genauigkeit darunter leidet.
Solche Kürzel wirken altmodisch; im Kern stehen sie aber für akademische Sorgfalt. Und für die Verankerung in der Tradition wissenschaftlichen Schreibens. Einen Eindruck davon vermitteln auch die Wörter aus dem alten Akademikerdeutsch.
Der größte Teil dieser Kürzel stammt aus dem Lateinischen. Wer sich dort weiter umsehen will, findet bei Latein für Nichtlateiner 144 Wörter, die im wissenschaftlichen Betrieb ständig auftauchen.
Liste akademischer Abkürzungen
Ohne spezielle Sortierung.
Akademische Abkürzungen sind standardisierte Kurzformen, mit denen wissenschaftliche Texte Quellen, Seitenangaben und Querverweise kennzeichnen. Die meisten stammen aus dem Lateinischen und sind seit dem Mittelalter im Gebrauch. Ihre Bedeutung ist über Fach- und Sprachgrenzen hinweg weitgehend einheitlich.
- A.D. (Anno Domini)
(Im Jahre des Herrn) Bezieht sich auf die Jahre nach der traditionellen Geburt Christi, verwendet im gregorianischen Kalender. - ff.
(Folgende) Wird verwendet, um anzugeben, dass sich die Diskussion oder das Zitat auf die angegebene Seite und die unmittelbar folgenden Seiten bezieht. - vgl. S. 216 ff.
(Vergleiche Seite 216 und folgende) Ein Verweis, der nicht nur zur Konsultation der angegebenen Seite auffordert, sondern auch zum Durchsehen der nachfolgenden Seiten, um ein vollständiges Verständnis des Themas zu erlangen. - Jgg. (Jahrgänge)
Bezieht sich auf die Ausgaben einer Zeitschrift oder eines Magazins über mehrere Jahre hinweg. - Mss. (Manuskripte)
Eine Abkürzung für mehrere handschriftliche Dokumente oder Autographen, oft verwendet in der Beschreibung alter Texte oder in Bibliotheksarchiven. - Artt. (Artikel)
Wird verwendet, um auf mehrere Artikel, beispielsweise in Gesetzestexten oder in wissenschaftlichen Publikationen, hinzuweisen. - sqq. (sequentia)
(Die Folgenden) Ähnlich wie »ff.«, aber oft verwendet, um eine größere Reihe von nachfolgenden Elementen oder Seiten zu implizieren. Der Fokus liegt hier auf einer Sequenz, die eine Fortsetzung oder Entwicklung darstellt. - e.g. (exempli gratia)
(Zum Beispiel) Verwendet, um ein oder mehrere Beispiele für das zuvor Genannte anzuführen. - i.e. (id est)
(Das heißt) Dient der näheren Erläuterung oder Spezifizierung eines vorhergehenden Punktes. - ibid. (ibidem)
(Ebenda) Wird in Fußnoten verwendet, um auf die direkt vorhergehende Quelle zu verweisen, ohne diese erneut zu zitieren. - op. cit. (opere citato)
(Im zitierten Werk) Dient der Verweisung auf ein Werk, das bereits vollständig zitiert wurde, jedoch nicht unmittelbar zuvor. - cf. (confer)
(Vergleiche) Fordert zum Vergleich mit einer anderen Quelle auf, um Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zu verdeutlichen. - viz. (videlicet)
(Nämlich) Wird verwendet, um eine Aufzählung oder genauere Spezifikation einzuleiten. - etc. (et cetera)
(Und so weiter) Signalisiert, dass eine Aufzählung weitergeführt werden könnte, aber aus Gründlichkeit oder Relevanz nicht weitergeführt wird. - N.B. (nota bene)
(Beachte wohl) Wird eingesetzt, um die Aufmerksamkeit auf eine wichtige oder wesentliche Information zu lenken. - et al. (et alii)
(Und andere) Häufig verwendet in Verweisen auf wissenschaftliche Publikationen mit mehreren Autoren, um nicht alle Namen aufzählen zu müssen. - ca. (circa)
(Ungefähr) Vor allem in Zusammenhang mit Datums- und Zahlenangaben verwendet, um eine geschätzte Größe oder ein geschätztes Datum anzugeben. - p., pp.
(Seite, Seiten) Wird verwendet, um auf eine spezifische Seite (p.) oder mehrere Seiten (pp.) eines Dokuments zu verweisen. - vol., vols.
(Band, Bände) Bezieht sich auf die Bandnummer innerhalb einer Reihe von Büchern oder Zeitschriften. - ed., eds.
(Herausgeber, Herausgeberinnen) Verwendet, um die Herausgeberin oder den Herausgeber eines Sammelwerks oder einer Zeitschrift anzugeben. - trans.
(Übersetzer, Übersetzerin) Kennzeichnet die Person, die ein Werk aus einer Sprache in eine andere übertragen hat. - no.
(Nummer) Verwendet für die Nummerierung innerhalb einer Reihe, z.B. bei Zeitschriftenartikeln oder Ausgaben. - suppl.
(Supplement, Ergänzung) Bezeichnet einen ergänzenden Teil oder eine Beilage zu einem Hauptwerk. - loc. cit. (loco citato)
(Am angegebenen Ort) Ähnlich wie »ibid.«, aber spezifisch verwendet, um auf eine bereits genannte Stelle in einem Werk zu verweisen, ohne sie erneut vollständig zu zitieren. - ch.
(Kapitel) Verwendet, um auf ein spezifisches Kapitel in einem Buch zu verweisen. - sec.
(Sektion, Abschnitt) Dient der Angabe eines bestimmten Abschnitts innerhalb eines Dokuments oder Buches. - fig., figs.
(Abbildung, Abbildungen) Verwendet, um auf eine oder mehrere Abbildungen innerhalb eines Textes hinzuweisen. - abbr.
(Abkürzung) Wird verwendet, um auf eine Abkürzung oder deren Ausführung hinzuweisen. - bibl.
(Bibliografie) Bezeichnet den Abschnitt eines Dokuments, der die Liste der verwendeten oder zitierten Quellen enthält. - diss.
(Dissertation) Verwendet, um auf eine wissenschaftliche Arbeit zu verweisen, die als Teil der Anforderungen für einen akademischen Grad eingereicht wurde. - esp.
(Insbesondere) Dient dazu, einen bestimmten Punkt oder Teil einer Argumentation als besonders relevant hervorzuheben. - excl.
(Exklusive) Wird verwendet, um anzugeben, dass etwas nicht in eine Kategorie oder Gruppe eingeschlossen ist. - incl.
(Inklusive) Gibt an, dass etwas in eine Kategorie oder Gruppe eingeschlossen ist. - n.d.
(Kein Datum) Wird benutzt, wenn kein Veröffentlichungsdatum für ein zitiertes Werk verfügbar ist. - q.v. (quod vide)
(Siehe dort) Dient als Verweis auf eine andere Stelle im Dokument oder auf ein anderes Werk, um weitere Informationen zu erhalten. - rev.
(Revidiert) Bezieht sich auf die überarbeitete Ausgabe eines Werkes. - s.l. (sine loco)
(Ohne Ort) Wird benutzt, wenn der Verlagsort eines Werkes nicht bekannt ist. - s.n. (sine nomine)
(Ohne Namen) Angewendet, wenn der Name des Verlags oder des Autors eines Werkes nicht bekannt ist. - vol.
(Volumen) Bezieht sich auf die Bandnummer eines mehrbändigen Werks. - vs.
(Versus, gegen) Wird verwendet, um eine Opposition oder einen Kontrast zwischen zwei Konzepten oder Entitäten anzugeben. - a.a.O. (am angegebenen Ort)
Wird in der deutschsprachigen akademischen Praxis verwendet, um auf eine bereits zitierte Quelle zu verweisen, ähnlich dem Gebrauch von »loc. cit.«. - f., ff.
(folgende, fortfolgende) Eine Spezifizierung, die, ähnlich wie »ff.«, dazu dient, auf die direkt nachfolgende Seite (f.) oder mehrere nachfolgende Seiten (ff.) eines Werks zu verweisen. - Hrsg. (Herausgeber)
Gibt den oder die Herausgeber eines Buches oder einer Sammlung von Texten an. - Lfg. (Lieferung)
Bezieht sich auf Teile eines Werkes, die in Abschnitten veröffentlicht werden. - msc. (manuscriptum)
Bezeichnet ein Manuskript, eine handgeschriebene oder nicht veröffentlichte Arbeit. - Nr. (Nummer)
Wird oft verwendet, um spezifische Ausgaben von Zeitschriften oder Artikel innerhalb einer Serie zu identifizieren. - S. (Seite)
Verwendet, um auf eine bestimmte Seite in einem Dokument oder Buch zu verweisen. - u.a. (unter anderem)
Signifiziert, dass die aufgeführten Beispiele oder Personen Teil einer größeren Gruppe sind, ohne jeden einzelnen Fall oder jede Person aufzulisten. - z.B. (zum Beispiel)
Wird genutzt, um ein Beispiel oder mehrere Beispiele für das zuvor Erwähnte anzuführen, ähnlich dem Gebrauch von »e.g.«. - Ziff. (Ziffer)
Bezeichnet eine spezifische Nummer oder einen Punkt in einer Aufzählung.
Welche Kürzel heute noch üblich sind
Nicht alles davon ist noch in Gebrauch. Die großen amerikanischen Zitierstile haben sich von den lateinischen Rückverweisen weitgehend verabschiedet; das Chicago Manual of Style rät seit mehreren Auflagen von »op. cit.« und »loc. cit.« ab und empfiehlt stattdessen eine verkürzte Titelangabe, weil der Leser sonst rückwärts blättern muss. In den Autor-Jahr-Systemen von APA und MLA taucht »ibid.« gar nicht mehr auf.
Im deutschsprachigen Raum sieht es anders aus. Die klassische Fußnotenzitierweise arbeitet weiterhin mit »ebd.« und »a.a.O.«, vor allem in den Geisteswissenschaften. Womöglich hält sich das noch eine Weile, weil Fußnoten dort nicht nur Belege tragen, sondern auch Nebengedanken.
Wer unsicher ist, schaut in das Merkblatt des eigenen Instituts. Das ist unspektakulär, aber es erspart Ärger im Literaturverzeichnis. Und wer darüber hinaus daran arbeiten will, im Seminar souverän zu klingen, findet Hinweise dazu unter akademisch sprechen.
Diese Kürzel bilden das Grundgerüst wissenschaftlichen Zitierens. Sparsam eingesetzt wirken sie selbstverständlich, gehäuft eher angestrengt, ähnlich wie bei lateinischen Phrasen im eigenen Text. Wer darüber hinaus seinen Wortschatz erweitern will, findet bei den Fremdwörtern für Fortgeschrittene weiteren Nachschub.