
Hier ist ein kleiner Spaß für Sprachmasochisten und Angeber. Eine echte Herausforderung, denn diese Wörter kennen wohl nur Linguisten und Professoren. Oder Oberschlauberger.
Sie sind rar, sie sind exotisch, sie sind beinahe unmöglich korrekt zu schreiben und noch schwieriger zu merken. Umso leichter lassen sie sich vermasseln und für immer aus dem Gedächtnis verbannen. Sprache, du bist wirklich ein Schatz!
Sprachlich gesehen sind das harte Nüsse; wer sie sich merkt, hat mehr drauf als die meisten Muttersprachler. Diese Begriffe der gehobenen Bildungssprache tauchen hauptsächlich in akademischen, juristischen oder formellen Schriftstücken auf. In der Alltagssprache oder in populären Medien sind sie selten zu finden. Wer Fremdwörter gezielt einsetzen will, findet hier die passenden Kandidaten. Ein paar weitere Listen dazu, falls die folgenden 37 noch nicht reichen.
- 55 bildungssprachliche Begriffe aus dem Französischen
- 25 bildhafte Begriffe aus der Bildungssprache
- 28 bildungssprachliche Adjektive mit besonderer Ausstrahlung
37 schwierige Wörter der Bildungssprache
Alphabetisch sortiert, mit knapper Übersetzung. Bei den Substantiven steht das Geschlecht dahinter.
Ein Latinismus ist ein Wort oder eine Wendung, die aus dem Lateinischen ins Deutsche übernommen wurde. Ein großer Teil der bildungssprachlichen Fremdwörter geht auf solche Entlehnungen zurück, meist vermittelt über die Gelehrtensprache der frühen Neuzeit. Häufige Erkennungszeichen sind Endungen wie -ität, -abel oder -ibel.
- Additamentum (n) – Zugabe, Anhang, Addendum, Appendix
- aleatorisch – zufallsbedingt
- anthropomorphisieren – vermenschlichen
- apotropäisch – Unheil abweisend
- äquivok – mehrdeutig, in verschiedener Weise deutbar
- exemplifikatorisch – der Erläuterung dienend
- faktitiv – bewirkend
- fallibel – fehlbar
- hypostasieren – verdinglichen, vergegenständlichen
- Imponderabilität (f) – Unwägbarkeit, Unberechenbarkeit
- Indetermination (f) – Unbestimmtheit, Unentschlossenheit
- Insurrektion (f) – Aufstand, Aufruhr
- intellektualistisch – zum Intellektualismus gehörig, den Verstand besonders hervorhebend
- irreduzibel – nicht reduzierbar, nicht auf Einfacheres zurückführbar
- Irreparabilität (f) – Unmöglichkeit, einen Schaden zu beheben und den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen
- katexochen – in reinster Form, schlechthin, in Reinkultur
- kohärieren – zusammenhängen
- Konventikel (n) – geheimes Treffen; private Zusammenkunft zur religiösen Erbauung
- Krudelität (f) – Grausamkeit (vergleiche Englisch: Cruelty)
- negligieren – vernachlässigen (vergleiche Englisch: to neglect)
- obstruieren – (ver)hindern
- ostensibel – zur Schau gestellt, auffällig, zum Vorzeigen
- parenthetisch – eingeschoben, nebenbei bemerkt (ähnlich wie apropos)
- perfektibel – fähig zur Vervollkommnung, vervollkommnungsfähig
- präponderieren – das Übergewicht haben, vorherrschen
- Präsupposition (f) – Voraussetzung
- propädeutisch – vorbereitend, einführend
- rektifizieren – berichtigen, zurechtweisen
- repetitiv – (sich) wiederholend
- revozieren – widerrufen, zurückrufen
- selegieren – auswählen (ähnlich wie selektieren)
- signifizieren – bezeichnen
- superfiziell – oberflächlich
- supponieren – voraussetzen, unterstellen
- Suszeptibilität (f) – Empfänglichkeit, Empfindlichkeit, Reizbarkeit
- vikariieren – stellvertretend für etwas stehen
- voluptuös – Begierde erregend, wollüstig, voll Vergnügen, voll Wonne oder Lust
Was man mit solchen Wörtern anfängt
Nicht ganz zufällig sind viele dieser Wörter lateinischen Ursprungs. Wer eine Handvoll aktiv im Repertoire hat, wirkt nicht automatisch klüger, aber trifft öfter den Ton, der in akademischen oder formellen Texten gefragt ist. Der Rest bleibt Nachschlagewerk. Und das ist auch völlig in Ordnung so.
Der Abstand zwischen Kennen und Benutzen ist hier größer als bei gewöhnlichem Vokabular. Ein Wort wie präponderieren versteht man beim Lesen sofort, im eigenen Satz landet es trotzdem nie. Das ist kein Mangel, sondern die normale Arbeitsteilung im Kopf.
Der passive Wortschatz umfasst alle Wörter, die jemand beim Lesen oder Hören versteht. Der aktive Wortschatz umfasst nur die Wörter, die derselbe Mensch beim Sprechen und Schreiben tatsächlich verwendet. Bei erwachsenen Muttersprachlern ist der passive Wortschatz um ein Vielfaches größer als der aktive.
Wer prüfen will, ob ein Begriff überhaupt noch in Gebrauch ist, schaut ins DWDS. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache zeigt zu jedem Stichwort Belege aus großen Textkorpora und eine Verlaufskurve der Häufigkeit. Bei einigen der obigen Wörter ist diese Kurve ausgesprochen flach.
Falls 37 nicht reichen, stehen nebenan noch 69 seltene Wörter der Bildungssprache. Ebenfalls ohne jeden praktischen Nutzen, versteht sich.
Womöglich liegt genau darin der Reiz. Man lernt sie, weil sie überflüssig sind.