
Die Schlacht bei den Thermopylen im Sommer 480 v. Chr. gehört zu den Gefechten, die sich ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt haben. König Leonidas von Sparta hielt mit einer kleinen Streitmacht einen Bergpass gegen das persische Heer unter Xerxes I. Drei Tage lang. Es reichte nicht für den Sieg, aber es reichte für die Legende.
Inhaltsverzeichnis
Der Aufmarsch
Xerxes I. von Persien wollte Rache. Sein Vater Darius hatte zehn Jahre zuvor bei Marathon eine demütigende Niederlage gegen die Athener erlitten. Jetzt sollte ganz Griechenland dafür bezahlen. Das Heer, das Xerxes zusammenstellte, war gewaltig. Antike Quellen sprechen von bis zu zwei Millionen Mann, moderne Historiker schätzen eher 100.000 bis 150.000. Selbst die niedrigere Zahl war für damalige Verhältnisse enorm.
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Die Griechen, notorisch zerstritten und selten einer Meinung, einigten sich ausnahmsweise. Rund 7.000 Mann aus verschiedenen Stadtstaaten marschierten unter der Führung von König Leonidas von Sparta zu den Thermopylen. Der Plan war simpel: Den schmalen Küstenpass halten, die persische Übermacht neutralisieren, Zeit gewinnen.
Thermopylen bedeutet »heiße Tore«, benannt nach den Schwefelquellen in der Nähe. Der Pass liegt nahe der heutigen Stadt Lamia in Zentralgriechenland. Durch Sedimentablagerungen des Flusses Spercheios sieht das Gelände heute völlig anders aus. Der einst schmale Engpass ist weit von der Küste entfernt und kaum noch als strategische Position erkennbar. Besucher finden dort ein Denkmal für Leonidas mit der berühmten Inschrift: »Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.«
Das Kalkül hinter der Positionswahl war nüchtern. In offener Feldschlacht hatte eine Armee von 7.000 gegen 100.000 keine Chance. In einem Engpass schon. Die Thermopylen waren so schmal, dass nur wenige Kämpfer gleichzeitig angreifen konnten. Zahlen spielten dort eine untergeordnete Rolle, Ausbildung und Ausrüstung dagegen nicht.
Die griechischen Hopliten kämpften in der Phalanx, einer dichten Formation aus Schilden und Speeren. Ihre Ausrüstung bestand aus bronzener Brustplatte, Schienbeinschonern, Helm und einem großen Rundschild. Die Hauptwaffe war die Dory, eine lange Lanze. Für den Nahkampf trugen sie das Kurzschwert Xiphos. In den engen Passagen der Thermopylen war diese Kombination verheerend.

Xerxes hatte seine Armee am Hellespont versammelt und eine Brücke aus Schiffen bauen lassen, um nach Europa überzusetzen. Vor der Schlacht bot er den Griechen eine letzte Gelegenheit zur Unterwerfung. Sie sollten ihre Waffen abgeben. Leonidas‘ Antwort lautete angeblich: »Molon labe«, zu Deutsch: »Komm und hol sie dir.« Ob der Satz so fiel, ist nicht sicher. Dass er zu Leonidas passt, schon.
Die Schlacht
Die Perser griffen am dritten Tag nach ihrer Ankunft an. In Wellen stürmten sie den Pass, in Wellen wurden sie zurückgeschlagen. Die Enge machte ihre Überzahl wertlos. Die griechischen Hopliten standen dicht an dicht, Schild an Schild, und stachen mit ihren Lanzen in alles, was sich näherte. Die Verluste auf persischer Seite waren hoch.
Xerxes beobachtete das Geschehen von einem Thron aus. Er hatte allen Grund zur Ungeduld. Seine beste Armee, die größte, die je zusammengestellt worden war, steckte in einem Bergpass fest. Also schickte er die Unsterblichen, seine Elitetruppe aus 10.000 Berufssoldaten. Auch sie kamen nicht durch.

Zwei Tage hielt die griechische Stellung. Die Phalanx funktionierte, der Pass hielt, die Perser verloren Tausende. Leonidas rotierte seine Truppen, ließ die verschiedenen Kontingente abwechselnd kämpfen und ruhen. Es war ein Abnutzungskampf, den die Griechen gewinnen konnten, solange der Pass der einzige Zugang blieb …
Der Verrat
Ein Mann namens Ephialtes aus Trachis verriet den Persern einen Gebirgspfad, der die griechische Stellung umging. Seine Motivation war vermutlich Geld. Xerxes schickte sofort eine Truppe unter dem Kommando von Hydarnes über den Pfad.

Ephialtes, der Verräter
Als Leonidas erfuhr, dass die Umgehung im Gang war, entließ er den Großteil der griechischen Truppen. Was blieb, waren seine 300 Spartiaten, rund 700 Thespier unter Demophilus und etwa 400 Thebaner. Sie wussten, was kam.
Am Morgen des dritten Kampftages waren sie umzingelt. Leonidas fiel. Seine Spartaner kämpften um seinen Leichnam, bis keiner mehr stand. Die Thespier kämpften bis zum Ende mit. Von den Thebanern ergaben sich die meisten.
Die Schlacht bei den Thermopylen war verloren. Der Zweck war erfüllt.

Wer kämpfte bei den Thermopylen?
Das meiste, was wir über die Schlacht wissen, stammt von Herodot. Seine Darstellung bevorzugt die griechische Seite, aber einige Namen von beiden Seiten sind überliefert.
- Leonidas I. war König von Sparta und Kommandeur der griechischen Streitmacht. Sein Tod im Kampf machte ihn zum Symbol für militärische Pflichterfüllung. Bis heute.
- Dienekes war ein spartanischer Hoplit, den Herodot besonders hervorhob. Als man ihm sagte, die persischen Pfeile würden die Sonne verdunkeln, antwortete er, dann kämpfe man eben im Schatten. Der Satz wurde berühmt.
- Demophilus von Thespiae führte die 700 Thespier an, die freiwillig neben den Spartiaten bis zum Ende kämpften. Ihre Opferbereitschaft wird oft vergessen. Zu Unrecht.
- Ephialtes von Trachis verriet den Umgehungspfad an die Perser. Sein Name wurde in Griechenland zum Synonym für Verrat.
- Xerxes I. war Großkönig des Persischen Reiches und Oberbefehlshaber der Invasion. Seine Entscheidung, persönlich nach Griechenland zu ziehen, war ebenso ehrgeizig wie riskant.
- Mardonius war Xerxes‘ Schwiegersohn und einer seiner wichtigsten Strategen. Er blieb nach Xerxes‘ Rückzug in Griechenland und fiel ein Jahr später in der Schlacht von Plataiai.
- Hydarnes befehligte die Unsterblichen, Persiens Elitetruppe aus 10.000 Mann. Er führte die Umgehung über den von Ephialtes verratenen Pfad.

Warum die Schlacht bei den Thermopylen bis heute nachwirkt
Militärisch war die Schlacht eine Niederlage. Strategisch war sie ein Erfolg. Die drei Tage Verzögerung gaben der griechischen Flotte Zeit, sich bei Salamis in Stellung zu bringen. Ohne die Thermopylen womöglich kein Salamis, ohne Salamis kein freies Griechenland.
Kulturell ist die Wirkung noch größer. Die Geschichte von wenigen gegen viele, von Pflicht gegen Überlebensinstinkt, von Freiheit gegen Unterwerfung wurde zum Grundmotiv der westlichen Erzähltradition. Ob das historisch so sauber aufgeht, ist eine andere Frage. Die Griechen waren keine lupenreinen Demokraten, und die Perser keine barbarische Horde. Aber Legenden funktionieren nach eigenen Regeln.
Der Film »300« von 2006 hat das Thema neu belebt, historisch allerdings fragwürdig. Wer sich für die tatsächlichen Ereignisse interessiert, ist bei Herodots siebtem Buch der Historien besser aufgehoben.

Was danach geschah
Nach den Thermopylen marschierte Xerxes weiter und ließ Athen niederbrennen. Die Stadt war bereits evakuiert. Im September 480 v. Chr. kam es zur Seeschlacht bei Salamis, in der die griechische Flotte unter Themistokles die persische Flotte in einem Meeresarm einkesselte und vernichtend schlug. Xerxes zog sich mit dem Großteil seines Heeres nach Asien zurück.
Ein Jahr später besiegten die Griechen unter dem spartanischen Regenten Pausanias die verbliebene persische Landarmee bei Plataiai. Gleichzeitig schlug die griechische Flotte die Perser bei Mykale an der kleinasiatischen Küste. Damit war der zweite Perserkrieg entschieden.
Athen gewann durch diese Siege enormen Einfluss und gründete den Delisch-Attischen Seebund, eine Allianz griechischer Stadtstaaten gegen künftige persische Angriffe. Was als Verteidigungsbündnis begann, wurde allerdings bald zum Instrument athenischer Vorherrschaft. Ein Muster, das sich in der Geschichte immer wieder zeigt.
Die Thermopylen waren im Kern eine Verzögerungsaktion. Aber eine, die funktioniert hat. Und eine, die man auch nach 2.500 Jahren nicht vergessen hat. Alexander der Große betrat die Bühne gut 150 Jahre später und baute auf dem auf, was Leonidas und seine Männer erkämpft hatten.
