
Die Furien werden in der griechischen Mythologie auch als Erinyen bezeichnet. Bei den Römern hießen sie Eumeniden. Sie waren Gottheiten der Rache. Als solche sorgten sie für Vergeltung gegenüber Menschen, die schwere Vergehen begangen hatten, vor allem solche, die familiäre Bindungen verletzten, wie Mord an Familienmitgliedern oder Meineid.
Die Furien waren bekannt dafür, ihre Opfer unerbittlich zu verfolgen, bis sie den ihnen gebührenden Strafen zugeführt werden konnten. Gnade kannten sie nicht.
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Tisiphone in einer fantasievollen Darstellung
Inhaltsverzeichnis
Alekto, Megaira, Tisiphone: Die drei Furien
Es gab nur drei Furien, was die Sache für uns überschaubar macht:
- Alekto (die Unaufhörliche), zuständig für die unermüdliche Verfolgung und Bestrafung von Verbrechen.
- Megaira (der Neid), verkörperte Neid und Eifersucht, insbesondere innerhalb von Familien, und strafte diejenigen, die solche Sünden begingen.
- Tisiphone (die Vergeltung), spezialisiert auf die Bestrafung von Morden, insbesondere von Blutschande.
Nette Damen waren das nicht.

Alekto
Adjektive, die die Furien beschreiben
Die Furien waren unerbittlich, rachsüchtig, furchteinflößend, gerecht, unaufhaltsam, geheimnisvoll, unsterblich und düster. Das sind keine Eigenschaften, die man sich auf die Visitenkarte druckt, aber in der Antike hatten sie ihren festen Platz.
In der bildenden Kunst wurden die Furien als schreckenerregende Figuren dargestellt, die aus der Unterwelt kamen, um die Gerechtigkeit der Götter durchzusetzen. Geflügelte Wesen mit Schlangenhaaren, blutunterlaufenen Augen, ausgestattet mit Fackeln und Geißeln. Ihr Erscheinungsbild war dementsprechend wenig einladend.
Ihre Rolle im Pantheon der griechischen und römischen Mythologie zeigt die Bedeutung von Gerechtigkeit und Vergeltung. Außerdem die Konsequenzen, die aufgrund von Vergehen gegen göttliche und moralische Gesetze gezogen wurden. Da kannte der alte Grieche keinen Spaß.

Megaira
Die Furien im Grimmschen Wörterbuch
Die Furien fanden Eingang in die deutsche Sprache und Literatur, oft um starke Emotionen oder Verhaltensweisen zu beschreiben, die mit Wut, Rache oder intensiven Leidenschaften zu tun haben. Im Grimmschen Wörterbuch finden sich gleich mehrere Zusammensetzungen:
- Furie: Ursprünglich eine der Rachegöttinnen aus der römischen Mythologie. Im übertragenen Sinne bezeichnet man damit eine sehr wütende oder rachsüchtige Person, oft eine Frau, die als unkontrollierbar oder heftig in ihrem Zorn beschrieben wird.
- Furienappetit: Ein sehr starker, fast unstillbarer Hunger. Der Begriff meint eine Intensität und Heftigkeit des Appetits, als wäre er durch die unerbittliche Energie einer Furie angetrieben.
- Furienauge: Ein intensiver, durchdringender oder zorniger Blick. Ein Hinweis auf die Fähigkeit der Furien, Furcht und Schrecken allein durch ihre Präsenz zu verbreiten.
- Furiengesang: Eine laute, schreiende oder klagende Art des Gesangs, die an die rachsüchtigen Schreie der Furien erinnert. Ein Gesang so intensiv, dass er als beunruhigend oder unheilvoll empfunden wird.
- Furienszene: In der Literatur oder im Theater eine besonders dramatische, intensive Szene voller Wut oder Leidenschaft.
- Furientrupp: Eine Gruppe von Personen, die sich heftig oder aggressiv verhalten, ähnlich den Furien in ihrem unerbittlichen Streben.
Die meisten dieser Wörter sind heute kaum noch in Gebrauch. Schade eigentlich.
Wer wurde bestraft – und wie?
Die Furien handelten nicht willkürlich, sondern bestraften spezifische Arten von Verbrechen und Sünden, die das moralische und natürliche Gesetz verletzten. Ihre Rolle als Vollstreckerinnen der göttlichen Ordnung konzentrierte sich auf Vergehen, die familiäre und soziale Bindungen zerrissen.
- Mord innerhalb der Familie: Eines der schwersten Vergehen, insbesondere der Vater- oder Muttermord, wurde von den Furien unerbittlich verfolgt. Ein berühmtes Beispiel ist Orestes, der seine Mutter Klytaimnestra tötete, um den Mord an seinem Vater Agamemnon zu rächen. Orestes wurde daraufhin von den Furien verfolgt, bis er von seinem Wahnsinn gereinigt wurde.
- Meineid: Lügen unter Eid galt als schweres Verbrechen gegen die göttliche Ordnung. Die Furien verfolgten und bestraften Leute, die falsche Schwüre leisteten und damit die Grundlagen der Gerechtigkeit untergruben.
- Verletzungen der Gastfreundschaft: In der Antike wurde die Gastfreundschaft als heilige Pflicht betrachtet. Wer diese Pflicht missachtete, konnte von den Furien heimgesucht werden.
- Verbrechen gegen die Götter: Frevel oder Hybris gegenüber den Göttern zog ebenfalls die Aufmerksamkeit der Furien auf sich. Wer sich vermessen gegenüber den Göttern verhielt, durfte mit göttlicher Vergeltung rechnen.
Die Furien waren dafür bekannt, dass sie ihre Opfer nicht nur im Diesseits, sondern auch im Jenseits heimsuchen konnten. Nirgendwo war man vor ihnen sicher.
Weitere Fälle göttlicher Vergeltung
In der antiken Mythologie gibt es weitere bekannte Fälle, in denen die Furien eine Rolle spielten.
- Ixion versuchte Hera, die Frau des Zeus, zu verführen und wurde dafür von den Furien in den Tartaros geschickt. Dort wurde er an ein sich drehendes und gleichzeitig brennendes Rad gefesselt. Für die Ewigkeit.
- Tantalos war ein König, der die Götter auf die Probe stellen wollte, indem er ihnen seinen eigenen Sohn Pelops als Mahlzeit servierte. Dieses Verbrechen gegen die Familie und die göttliche Ordnung zog die Strafe der Götter nach sich, und die Furien verfolgten Tantalos für seinen Frevel. Die Grausamkeit der Strafe war legendär.
- Alkmeon wurde von den Furien verfolgt, nachdem er seine Mutter Eriphyle getötet hatte. Eriphyle hatte ihren Sohn und seinen Bruder dazu veranlasst, ihren Vater Amphiaraos zu verraten, was zu dessen Tod führte. Als Alkmeon davon erfuhr, tötete er Eriphyle. Anschließend wurde er von den Furien für den Muttermord gejagt. Rache für Rache sozusagen.
- Lykurgos war ein König von Thrakien, der den Kult des Dionysos verfolgte und den Gott selbst angriff. Für seinen Angriff auf einen Gott und die Unterdrückung des Dionysos-Kultes wurde Lykurgos von den Furien in den Wahnsinn getrieben.
Diese Geschichten zeigen die moralischen und ethischen Normen einer Zeit, in der mit Gewalt und Grausamkeiten nicht gespart wurde. Wer sich verging, dem halfen weder Göttergunst noch Machtposition. Die Furien fanden jeden.
Im Vergleich zu den Moiren, die das Schicksal bestimmten, waren die Furien die Instanz für Vergeltung. Die Moiren webten, die Furien straften. Beides unausweichlich.
