39 der wichtigsten Wissenschaftler der griechischen Antike

Wissenschaftler der griechischen Antike

Die Wissenschaftler der griechischen Antike hatten weder Teleskope noch Laboratorien, weder Taschenrechner noch Internet. Was sie hatten: Neugier, Geometrie und eine bemerkenswerte Bereitschaft, sich von Göttergeschichten zu verabschieden und stattdessen Erklärungen zu suchen, die ohne Zeus auskamen.

Das Ergebnis waren Entdeckungen, die bis heute gelten. Archimedes formulierte das Auftriebsprinzip, Hippokrates begründete die Medizin als Wissenschaft, Euklid schrieb eines der meistverbreiteten Lehrbücher der Geschichte. Diese Liste versammelt 39 der wichtigsten antiken Wissenschaftler. Die Philosophen haben eine eigene Liste, weil es schlicht zu viele sind.

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Die bekanntesten Wissenschaftler der griechischen Antike

Diese dreizehn kennt man, auch ohne Altphilologie studiert zu haben. Ihre Namen tauchen in Schulbüchern, Fachbegriffen und griechischen Lehnwörtern auf, die wir täglich benutzen.

  1. Archimedes (ca. 287–212 v. Chr.) – Entdeckte das Prinzip des Auftriebs, angeblich in der Badewanne. Lief nackt durch Syrakus und rief »Heureka!«. Das Prinzip ist fundamental für die Fluidmechanik, die Anekdote womöglich erfunden.
  2. Aristarchos von Samos (ca. 310–230 v. Chr.) – Schlug vor, dass die Sonne das Zentrum des Universums ist und die Erde sich um sie dreht. Über 1.800 Jahre vor Kopernikus.
  3. Aristoteles (384–322 v. Chr.) – Obwohl Philosoph, beschrieb er über 500 Tierarten und ihre Anatomie. Gilt als einer der Begründer der Zoologie.
  4. Eratosthenes (ca. 276–194 v. Chr.) – Berechnete den Erdumfang mit einfacher Geometrie und Schattenbeobachtung. Seine Schätzung lag unter 16% Abweichung vom tatsächlichen Wert. Im 3. Jahrhundert vor Christus.
  5. Euklid (ca. 300 v. Chr.) – Seine »Elemente« gelten als eines der meistverbreiteten Lehrbücher der Geschichte. Seine Geometrie prägt den Mathematikunterricht bis heute.
  6. Galenos (ca. 129–216 n. Chr.) – Seine medizinischen Schriften blieben über 1.500 Jahre die autoritative Quelle in Europa. Nicht alles, was er schrieb, war richtig, aber sein Einfluss ist kaum zu überschätzen.
  7. Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr.) – Der ihm zugeschriebene Hippokratische Eid wird bis heute geschworen. Seine Forderung, Krankheiten natürlich statt übernatürlich zu erklären, war der Beginn der wissenschaftlichen Medizin.
  8. Hipparchos von Nikaia (ca. 190–120 v. Chr.) – Erstellte den ersten umfassenden Sternenkatalog und entwickelte Methoden zur Vorhersage von Sonnen- und Mondfinsternissen. Legte den Grundstein für die Trigonometrie.
  9. Ptolemäus (ca. 100–170 n. Chr.) – Sein »Almagest« war über 1.400 Jahre das Standardwerk der Astronomie. Sein geozentrisches Modell war falsch, aber mathematisch elegant.
  10. Pythagoras (ca. 570–495 v. Chr.) – Bekannt für den Satz des Pythagoras, aber auch für die Überzeugung, dass die gesamte Realität auf Zahlenverhältnissen beruht. Eine Idee, die in der modernen Physik erstaunlich aktuell wirkt.
  11. Strabo (ca. 63 v. Chr.–23 n. Chr.) – Seine »Geographica« in 17 Büchern ist eines der umfassendsten geographischen Werke der Antike.
  12. Thales von Milet (ca. 624–548 v. Chr.) – Einer der Ersten, der natürliche Phänomene ohne Rückgriff auf Mythologie erklären wollte. Sein Vorschlag, Wasser sei der Ursprung aller Dinge, war falsch. Aber der Ansatz war richtig.
  13. Theophrastos (ca. 371–287 v. Chr.) – Der »Vater der Botanik« klassifizierte Pflanzen und beschrieb ihre Eigenschaften systematisch.

Mathematiker, Astronomen und Ingenieure

Weniger berühmt, aber nicht weniger bedeutend. Viele dieser Forscher legten Grundlagen, auf denen die Wissenschaft noch heute baut. Das antike Griechenland hat in erstaunlich vielen Bereichen Spuren hinterlassen.

  1. Anaxagoras (ca. 500–428 v. Chr.) – Erklärte Sonnenfinsternisse korrekt und beschrieb die Sonne als glühende Masse, größer als die Peloponnes. Diese Behauptung brachte ihm in Athen eine Anklage wegen Gottlosigkeit ein.
  2. Anaximander (ca. 610–546 v. Chr.) – Postulierte als einer der Ersten, dass die Erde eine freischwebende Struktur im Raum ist. Eine Idee, die im 6. Jahrhundert v. Chr. ziemlich mutig war.
  3. Apollonius von Perga (ca. 262–190 v. Chr.) – Seine Theorie der Kegelschnitte legte das Fundament für die Geometrie, die später für die Berechnung von Planetenbahnen entscheidend wurde.
  4. Autolykos von Pitane (ca. 360–290 v. Chr.) – Schrieb »Über die sich bewegenden Kugeln«, das älteste erhaltene Astronomiebuch.
  5. Demokrit (ca. 460–370 v. Chr.) – Entwickelte zusammen mit Leukipp die Atomtheorie: Alles besteht aus unteilbaren Teilchen. Eine Idee, die über zwei Jahrtausende brauchte, um bestätigt zu werden.
  6. Diophant (ca. 200–284 n. Chr.) – Wird oft als »Vater der Algebra« bezeichnet. Seine »Arithmetica« inspirierte Fermat und damit die moderne Zahlentheorie.
  7. Dioskurides (ca. 40–90 n. Chr.) – Sein Werk »De Materia Medica« beschrieb über 600 Pflanzen und ihre medizinische Wirkung. Es blieb bis ins 16. Jahrhundert das Standardwerk der Pharmakologie.
  8. Eudoxos von Knidos (ca. 390–337 v. Chr.) – Entwickelte eines der ersten mathematischen Modelle der Planetenbewegungen.
  9. Empedokles (ca. 494–434 v. Chr.) – Formulierte die Vier-Elemente-Lehre (Feuer, Wasser, Erde, Luft). Die antike Überlieferung schreibt ihm auch die Vermutung zu, Licht habe eine endliche Geschwindigkeit. Soll sich in den Ätna gestürzt haben, um seine Göttlichkeit zu beweisen. Hat nicht funktioniert.
  10. Heron von Alexandria (ca. 10–70 n. Chr.) – Konstruierte die Aeolipile, den ersten bekannten Dampfantrieb. Ein Vorläufer der Dampfmaschine, fast zweitausend Jahre zu früh.
  11. Hippokrates von Chios (ca. 470–410 v. Chr.) – Nicht der Arzt, sondern ein Mathematiker, der an der Quadratur des Kreises arbeitete.
  12. Hypatia von Alexandria (ca. 355–415 n. Chr.) – Mathematikerin und Astronomin, die Kommentare zu Diophant und Apollonius verfasste. Wurde von einem christlichen Mob ermordet. Das symbolische Ende der antiken Wissenschaft in Alexandria.
  13. Ktesibios (ca. 285–222 v. Chr.) – Ingenieur und Erfinder, bekannt für seine Wasseruhr mit bemerkenswerter Genauigkeit und für Entwicklungen in der Hydraulik.
  14. Menelaus von Alexandria (ca. 70–140 n. Chr.) – Seine Arbeit in der sphärischen Geometrie ist grundlegend für Astronomie und Navigation.
  15. Oinopides von Chios (ca. 490–420 v. Chr.) – Bestimmte als Erster die Schiefe der Ekliptik, also den Neigungswinkel der Erdachse. Ein fundamentaler Wert für die Astronomie.
  16. Pappus von Alexandria (ca. 290–350 n. Chr.) – Seine mathematische Sammlung ist eine der wichtigsten Quellen über die Mathematik der Antike.
  17. Philolaus (ca. 470–385 v. Chr.) – Behauptete, die Erde drehe sich um ein zentrales Feuer. Eine der frühesten Theorien, die sich von der geozentrischen Sicht lösten.
  18. Philoponos (ca. 490–570 n. Chr.) – Ein früher Kritiker der aristotelischen Physik, dessen Arbeiten über Impetus wichtige Grundlagen für die späteren Bewegungsgesetze legten.
  19. Poseidonios (ca. 135–51 v. Chr.) – Erarbeitete Theorien zu Gezeiten, die auf dem Einfluss von Mond und Sonne basieren.
  20. Proklos (412–485 n. Chr.) – Verfasste Kommentare zu Euklids Werken und trug damit entscheidend zur Überlieferung der antiken Mathematik bei.
  21. Pytheas von Massilia (ca. 350–285 v. Chr.) – Seefahrer und Geograph, der vermutlich bis nach Großbritannien und in die Arktis segelte und von Mitternachtssonne und Eismeer berichtete.
  22. Straton von Lampsakos (ca. 335–269 v. Chr.) – Fokussierte sich auf Naturphilosophie und Physik, insbesondere Untersuchungen zur Materie und zum Vakuum.
  23. Theodosius von Bithynien (ca. 160–100 v. Chr.) – Leistete Beiträge zur sphärischen Astronomie und verfasste Werke über Tag- und Nachtgleichen.
  24. Theon von Alexandria (ca. 335–405 n. Chr.) – Verbesserte die mathematischen Werke von Ptolemäus und Euklid und sicherte deren Überlieferung bis in die Renaissance.
  25. Thymaridas von Paros (ca. 400–350 v. Chr.) – Bekannt für den »Blüten«-Satz, der sich mit der Lösung von Gleichungen beschäftigt.
  26. Zenon von Elea (ca. 490–430 v. Chr.) – Seine Paradoxa über Bewegung und Unendlichkeit (Achilles und die Schildkröte) beschäftigen Mathematiker und Philosophen bis heute.

Was auffällt

Die Liste umfasst fast tausend Jahre, von Thales im 6. Jahrhundert v. Chr. bis Philoponos im 6. Jahrhundert n. Chr. Die meisten dieser Forscher kannten einander nicht. Was sie verband, war eine Methode: Beobachten, Nachdenken, Beweisen. Keine Offenbarung, kein Dogma.

Auffällig ist auch, wie viele ihrer Erkenntnisse sich als erstaunlich haltbar erwiesen haben. Der Satz des Pythagoras gilt immer noch. Euklids Geometrie funktioniert immer noch. Und der Hippokratische Eid, in abgewandelter Form, wird immer noch geschworen. Die Weisheiten der alten Griechen hatten offenbar eine Haltbarkeit, die über das Philosophische hinausgeht.

Von 39 Namen ist nur einer weiblich: Hypatia. Das liegt nicht daran, dass es keine anderen Wissenschaftlerinnen gab. Aber die antike Gesellschaft hat es ihnen erheblich schwerer gemacht, und die Überlieferung hat den Rest besorgt.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage