
Bildungssprachliche Begriffe sind häufig dem Lateinischen entnommen und finden sich bevorzugt im akademischen Umfeld. Typisch wäre es, von einem Debakel zu sprechen, statt Worte wie Niederlage oder Misserfolg zu verwenden.
Hier kommen die wichtigen, häufig gebrauchten Substantive. Begriffe, die man immer wieder hört, in Büchern, in Zeitungsartikeln, in Kommentarspalten, in guten Reden. Wer sie benutzt, klingt eloquent und belesen. Doch nicht jede Vokabel sitzt, und kaum eine wird sofort richtig verstanden, geschweige denn aktiv korrekt verwendet.
Diese Begriffe solltest du vielleicht kennen. Du kannst sie einzeln im Wörterbuch nachschlagen oder hier in der bequemen Übersicht genießen. Diese Liste hilft in bildungssprachlichen Notlagen.
Feminine Substantive dieser Art geben einem Text Gewicht. Sie zeigen nebenbei, dass jemand über Bildung verfügt und die Begriffe beherrscht. Was Bildungssprache im Kern ist, steht in einem eigenen Beitrag. Die Adjektive aus der Bildungssprache habe ich in einem früheren Beitrag erklärt.
Mit solchen Begriffen werden Texte präziser, mitunter auch anspruchsvoller. Zu viele davon wirken schnell arrogant oder deplatziert, und schwer lesbar wird der Text obendrein. Manchmal ist genau das gewollt. Wer eine Vokabel genauer fassen will, schlägt sie im Duden nach. Wer den Wortschatz lieber systematisch ausbaut, findet einen 14-Tage-Plan dafür. Ein paar verwandte Sammlungen gibt es außerdem.
- 79 schwere Tätigkeitswörter aus der Bildungssprache erklärt
- 28 bildungssprachliche Adjektive mit besonderer Ausstrahlung
- 39 maskuline Substantive aus der Bildungssprache
Liste femininer bildungssprachlicher Substantive
Diese Wörter haben häufig noch andere oder zusätzliche Bedeutungen. Es kommt auf den Kontext an, in dem sie stehen. Hier geht es ausschließlich um die bildungssprachliche Lesart. Wer Fremdwörter gezielt einsetzen will, achtet ohnehin genau darauf.
Feminine Substantive der Bildungssprache sind weibliche Hauptwörter einer gehobenen Sprachebene, etwa Diskrepanz, Akribie oder Kohärenz. Die meisten stammen aus dem Lateinischen und enden auf -ität, -ion, -anz oder -enz.
- Absenz — das Fehlen oder Nichtvorhandensein von etwas
- Agilität — Wendigkeit, Lebhaftigkeit, Beweglichkeit
- Agonie — Todeskampf
- Akribie — äußerste Genauigkeit, Sorgfalt in der Ausführung
- Ambition — auf ein Ziel gerichtetes Streben, Ehrgeiz
- Ambivalenz — Zwiespältigkeit, Spannungszustand, Zerrissenheit
- Analyse — Vorgang, bei dem etwas in seine Teile zerlegt und anschließend untersucht wird
- Antipathie — Widerwille, Abneigung
- Antithese — Gegenbehauptung; einer These entgegengestellte These
- Apathie — Teilnahmslosigkeit, Gleichgültigkeit
- Approximation — Annäherung
- Aspiration — Bestrebung, Hoffnung, ehrgeiziger Plan
- Assoziation — ursächliche Verknüpfung von Vorstellungen
- Attitüde — innere Haltung, Einstellung
- Attraktion — Anziehung, Anziehungskraft
- Autarkie — Unabhängigkeit von äußeren Dingen und Einflüssen
- Authentizität — Echtheit, das Authentischsein
- Aversion — Abscheu, Widerwille
- Contenance — Fassung, Haltung in einer schwierigen Lage
- Dedikation — Widmung
- Dependance — Niederlassung, Zweigstelle
- Desavouierung — Schmach, Brüskierung, Blamage
- Destination — Bestimmung, Endzweck
- Dezenz — Takt, Feingefühl, Zurückhaltung, Unaufdringlichkeit, Unauffälligkeit
- Diffamierung — gezielte Verleumdung
- Differenz — Unterschied zweier Zahlen oder Größen
- Dignität — Würde
- Direktive — Richtlinie, Verhaltensmaßregel von oben
- Diskrepanz — Widersprüchlichkeit, Missverhältnis zwischen zwei Sachen
- Diskrimination — Diskriminierung, Unrecht, Verfolgung, Benachteiligung
- Disproportionalität — Missverhältnis
- Distinktion — Unterscheidung
- Divergenz — Auseinanderstreben, Auseinandergehen von Meinungen und Ansichten
- Doktrin — wissenschaftliche Lehre, ein System von Ansichten
- Dualität — Zweiheit, wechselseitige Zuordnung
- Elementarität — elementare Beschaffenheit
- Eloquenz — Beredsamkeit, Wortgewandtheit
- Euphorie — vorübergehend gesteigertes Lebensgefühl, begeisterter Gemütszustand
- Exkulpation — Befreiung vom Vorwurf des Verschuldens, Schuldbefreiung
- Familiarität — plump vertrauliches Verhalten, Zudringlichkeit
- Fiktion — etwas Vorgestelltes, Ausgedachtes
- Fluktuation — Schwankung
- Fortune — Glück, Erfolg (französisch ausgesprochen, [fɔʁ.tyn], also etwa Fortühn)
- Gravität — feierliche Würde
- Hypothese — unbewiesene Annahme, Unterstellung
- Imagination — Einbildungskraft, Fantasie
- Implikation — Bedeutung, Einbeziehung einer Sache in eine andere
- Imponderabilie — Unwägbarkeit
- Indifferenz — Gleichgültigkeit, Uninteressiertheit
- Inkonsequenz — das Fehlen von logischer oder sachlicher Folgerichtigkeit. Wer inkonsequent handelt, hält sich nicht an eigene Regeln, Pläne oder Prinzipien
- Innovation — Neuerung
- Insistenz — Beharrlichkeit, Hartnäckigkeit
- Inspiration — erhellende Eingebung, schöpferischer Einfall
- Integration — Vervollständigung, Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes
- Intervention — Einflussnahme, Einmischung
- Intimität — Vertrautheit, Vertraulichkeit
- Invektive — Beleidigung, beleidigende Äußerung, Beschimpfung, Schmähung
- Kohärenz — Zusammenhang, Abstimmung, Koordination
- Kohäsion — innerer Zusammenhalt
- Komposition — kunstvoll Gestaltetes, Zusammengestelltes
- Kontemplation — Rückzug auf sich selbst, Versenkung in sich selbst
- Kontroverse — Meinungsverschiedenheit, Auseinandersetzung um eine Sachfrage
- Konvergenz — Annäherung, Übereinstimmung von Meinungen und Zielen
- Konversation — Smalltalk, oberflächliches und unverbindliches Geplauder
- Konzilianz — Umgänglichkeit, Entgegenkommen
- Kreativität — schöpferische Kraft, kreatives Vermögen
- Krux — Last, Kummer, Leid, Schwierigkeit
- Lakonie — lakonische Art des Ausdrucks, Kürze, Einfachheit
- Lethargie — Zustand körperlicher und psychischer Trägheit
- Malaise — Unbehagen, Missstimmung, Notlage, Misere
- Manie — Besessenheit, Zwang, sich in bestimmter Weise zu verhalten
- Maxime — Leitsatz, Leitlinie, Devise
- Mission — Auftrag, Entsendung
- Modifikation — Abwandlung, Abänderung, modifizierte Form
- Modifizierung — Abwandlung, Änderung, Korrektur, Variation
- Obskurität — Dunkelheit, zweifelhafte Herkunft, Unbekanntheit
- Operation — Handlung, Unternehmung
- Perseveranz — Ausdauer, Beharrlichkeit
- Phantasmagorie — Trugbild, Täuschung
- Phase — Abschnitt, Stufe innerhalb einer stetig verlaufenden Entwicklung
- Präferenz — Vorliebe, Neigung
- Prämisse — Voraussetzung, gedankliche Grundlage
- Präpotenz — Übermächtigkeit
- Präsenz — Anwesenheit, Gegenwärtigkeit
- Präsumtion — Annahme, Vermutung, Voraussetzung
- Prävalenz — Überlegenheit, Vorherrschaft
- Präzision — Eindeutigkeit, Genauigkeit
- Punktualität — Genauigkeit, Exaktheit
- Ratio — Vernunft
- Reflexion — vertieftes Nachdenken, Überlegung
- Relation — Beziehung, Verhältnis
- Relevanz — Bedeutsamkeit, Wichtigkeit
- Renitenz — Bockigkeit, Eigensinnigkeit, Widerborstigkeit, Widersetzlichkeit
- Reputation — guter Ruf
- Retrospektive — Rückblick, Rückschau
- Rigorosität — Unerbittlichkeit, Härte
- Schimäre — Hirngespinst (auch Chimäre)
- Sentenz — Sinnspruch, Denkspruch
- Servilität — Unterwürfigkeit
- Signifikanz — Bedeutsamkeit, statistische Aussagekraft
- Suada — Redeschwall, Wortschwall
- Supposition — Voraussetzung, Annahme
- Temperenz — Enthaltsamkeit, Mäßigung beim Alkohol
- Tirade — ein anhaltender Redeschwall
- Transzendenz — der Bereich jenseits jeder möglichen Erfahrung
- Usance — Brauch, Usus, gewohnheitsmäßiges Verhalten im geschäftlichen Bereich
- Variante — leicht veränderte Art, Abwandlung, Abart, Spielart
- Virtualität — Möglichkeit oder Potential, das einer Sache innewohnt
- Vita — Leben, Lebenslauf, Lebensgeschichte eines Menschen
- Zivilität — Anständigkeit, Höflichkeit
Warum so viele dieser Wörter feminin sind
Das Genus ist hier kein Zufall. Substantive mit den Endungen -ität, -ion, -anz, -enz, -ie und -ur sind im Deutschen fast ausnahmslos feminin, und genau diese Endungen bringen die lateinischen Lehnwörter mit. Wer Diskrepanz sagt, muss über den Artikel nicht nachdenken.
Ein kleinerer Teil kam über das Französische ins Deutsche, etwa Contenance, Dependance, Malaise und Usance. Man hört es an der Aussprache. Bildungssprache ist dabei keine eigene Sprache, sondern eine Sprachebene innerhalb des Deutschen, die sich vor allem im Wortschatz zeigt.
Wer die Liste nicht nur überfliegen will, nimmt sich fünf Wörter pro Woche vor und benutzt sie auch. Ein paar Kniffe fürs Vokabellernen helfen dabei, wenn stures Wiederholen zu zäh wird.
Die Liste ist nicht vollständig. Wird sie womöglich auch nie.