
Mythologische Figuren der Griechen, die keine Götter waren, gehören zu den einprägsamsten Gestalten der Antike. Legendäre Helden, tragische Königinnen, überragende Kämpfer und gerissene Betrüger. Die griechische Mythologie hat sie alle.
Diese Leute waren keine Götter, machten aber dennoch von sich reden. So sehr, dass wir sie heute noch kennen. Ihre Geschichten sind Teil unserer Kultur. So mancher Name hat überdies Eingang in die Bildungssprache gefunden. Hier sind 39 von ihnen.
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Die Liste der 39 mythologischen Figuren
Klicke auf die Abbildungen, um eine vergrößerte Darstellung zu sehen.
Herakles (berühmter Held, bekannt für seine zwölf Arbeiten. Was wir heute als Herkulesaufgabe bezeichnen, geht auf ihn zurück)
Achilles (der nicht weniger berühmte Held des Trojanischen Krieges, man schätzt ihn für seine fast unbezwingbare Stärke. Seine einzige Schwachstelle kennt heute jeder, der schon einmal Probleme mit der Achillessehne hatte)

Oben: Superkämpfer Achilles
Paris (trojanischer Prinz, dessen Entscheidung, Aphrodite den goldenen Apfel zu geben, zum Trojanischen Krieg führte. Ein einzelner Schönheitswettbewerb mit Folgen für die Weltgeschichte)
Philoctetes (Held, bekannt für seine Beteiligung im Trojanischen Krieg und seinen Besitz des Bogens von Herakles. Ohne diesen Bogen wäre Troja womöglich nie gefallen)
Kastor und Pollux (die Dioskuren, Zwillinge, die oft in Geschichten über Brüderlichkeit und Abenteuer erscheinen)
Adonis (der Geliebte der Göttin Aphrodite. Adonis als Synonym für einen extrem gut aussehenden jungen Mann ist ein bildungssprachlicher Ausdruck, der bis heute funktioniert)

Oben: Adonis
Jason (Anführer der Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies. Die Expedition gehört zu den großen Abenteuergeschichten der Antike)
Odysseus (König von Ithaka, bekannt für seine List und seine lange Heimreise nach dem Trojanischen Krieg. Die Odyssee beschreibt zehn Jahre Irrfahrt, die mindestens so aufregend waren wie der Krieg selbst)
Ödipus (König von Theben, bekannt für das Lösen des Rätsels der Sphinx und seine tragische Lebensgeschichte. Freud hat daraus einen Komplex gemacht)

Oben: König Ödipus
Prokrustes (ein Straßenräuber in Attika, der Reisende zwang, auf ein eisernes Bett zu liegen. Prokrustes hatte zwei Betten unterschiedlicher Länge. Wenn seine Opfer zu lang für das Bett waren, hackte er ihnen die überstehenden Gliedmaßen ab. Waren sie zu kurz, streckte er sie gewaltsam. Sein Name bedeutet so viel wie »der Strecker«. Das bildungssprachliche Wort Prokrustesbett steht für ein Schema, dem man sich gewaltsam anpassen muss)
Perseus (berühmt für das Töten der Medusa und die Rettung der Andromeda)
Orion (riesiger, talentierter Jäger, bekannt für seine Stärke und Schönheit. Sein Tod kam durch einen Skorpionstich, woraufhin er als Sternbild an den Himmel versetzt wurde)
Atalante (schnelle Läuferin, die in verschiedenen Mythen als Jägerin und Kriegerin auftritt. Kein Mann konnte sie einholen, jedenfalls nicht ohne göttliche Hilfe)

Oben: Atalante mit asiatischen Gesichtszügen
Theseus (König von Athen und berühmt für seine Heldentaten, einschließlich des Tötens des Minotaurus, des Königs Kerkyon und der Räuber Siron, Skiron und Prokrustes)
Bellerophon (berühmt für das Reiten des geflügelten Pferdes Pegasus und das Töten der Chimäre. Am Ende wurde ihm sein Ehrgeiz zum Verhängnis, als er versuchte, auf dem Pegasus den Olymp zu erreichen)
Kassiopeia (eitle Königin von Aithiopien, Mutter von Andromeda. Sie prahlte, schöner als die Nereiden zu sein, was zu Andromedas Bestrafung durch Poseidon führte. Kassiopeia wurde als Sternbild an den Himmel versetzt)
Daedalus (erfinderischer Handwerker, Erbauer des Labyrinths und Vater von Ikarus. Ein Ingenieur der Antike, dessen Konstruktionen ihn selbst in die Falle lockten)

Oben: Daedalus
Ganymed (bekannt als der schönste der Sterblichen. Er war der Sohn von Tros, dem König von Troja, und der Nymphe Kallirhoë. Seine Entführung durch Zeus wurde in der antiken Kunst häufig dargestellt und symbolisiert die Idealisierung jugendlicher Schönheit. Ganymeds Aufstieg in den Olymp galt als eine Form der Apotheose, bei der ein Sterblicher zu göttlichem Status erhoben wurde. In der Bildungssprache steht Ganymed auch für einen gutaussehenden, jüngeren Kellner)
Agamemnon (König von Mykene und Anführer der griechischen Streitkräfte im Trojanischen Krieg. Sohn von Atreus und Aerope, Bruder von Menelaos und Ehemann von Klytaimnestra. Seine Figur spielt eine zentrale Rolle in vielen Werken der antiken Literatur, darunter Homers Ilias und Aischylos‘ Orestie)
Obwohl Agamemnon und der Trojanische Krieg tief in der Mythologie verwurzelt sind, gibt es Debatten unter Historikern und Archäologen über das Ausmaß, in dem diese Geschichten auf historischen Ereignissen basieren könnten. Die Ausgrabungen Heinrich Schliemanns in Mykene und Troja haben zu Spekulationen geführt, dass Figuren wie Agamemnon womöglich auf realen Personen basieren, die in der späten Bronzezeit lebten. Konkrete Beweise fehlen allerdings.
Klytaimnestra (Ehefrau von König Agamemnon. Sie ist die Mutter von Iphigenie, Elektra, Orestes und Chrysothemis. Keine duldsame Gattin, soviel sei verraten)
Elektra (Tochter von Agamemnon und Klytaimnestra, zentral in der Geschichte der Rache für den Mord an ihrem Vater)

Oben: Elektra
Hektor (trojanischer Prinz und größter Kämpfer Trojas während des Trojanischen Krieges. Sein Tod durch Achilles gehört zu den erschütterndsten Szenen der Ilias)
Medea (Zauberin, ganz oben im Bild zu sehen, bekannt für ihre Rolle in der Geschichte von Jason und dem Goldenen Vlies. Erst half sie ihm, dann rächte sie sich an ihm. Gründlich)
Orestes (Sohn von Agamemnon, bekannt aufgrund seiner Beteiligung an der Rache am Mord seines Vaters. Die Furien verfolgten ihn danach unerbittlich)
Meleager (ein Held, bekannt für die Jagd auf den Kalydonischen Eber)

Oben im Bild: Der schöne Ganymed
Aeneas (trojanischer Held, Sohn der Aphrodite, bekannt aus Vergils Aeneis, wo er nach dem Fall Trojas nach Italien flieht und als Ahnherr der Römer gilt)
Ajax der Große (Held des Trojanischen Krieges, bekannt für seine körperliche Stärke und seinen Kampfgeist)
Sisyphos (legendär für seine Strafe im Hades, einen Felsblock ewig einen Berg hinaufzurollen. Camus hat daraus eine Philosophie gemacht)

Oben: Sisyphus
Ikarus (bekannt durch die Geschichte von Dädalus und Ikarus. Seine Geschichte ist eine Warnung vor Übermut und Ungehorsam. Die Sonne schmilzt das Wachs, der Junge stürzt ins Meer. Knapper lässt sich Hybris nicht erzählen)
Andromache (Ehefrau des trojanischen Helden Hektor, steht für Treue und Leid nach dem Fall Trojas)
Antigone (Tochter des Ödipus, bekannt für ihren Konflikt mit König Kreon über das Begräbnis ihres Bruders Polynikes. Pflichtgefühl gegen Staatsgewalt, ein Thema, das nie veraltet)
Arachne (talentierte Weberin, die in einen Wettbewerb mit Athene trat und dafür in eine Spinne verwandelt wurde. Die Arachnologie, also die Spinnenkunde, hat ihren Namen von ihr)
Ariadne (Tochter von König Minos von Kreta, half Theseus, den Minotauros zu besiegen und aus dem Labyrinth zu entkommen. Dazu gehört das bildungssprachliche Wort Ariadnefaden. Es steht für ein Hilfsmittel, mit dem man aus einer prekären Lage herauszufinden hofft)

Oben: Ariadne mit Faden
Tantalos (König, der wegen seiner Vergehen gegen die Götter in der Unterwelt bestraft wurde, ewig vor Wasser und Nahrung schmachtend, die sich immer außerhalb seiner Reichweite befanden. Die Tantalusqualen sind ein weiteres Geschenk der Mythologie an die Bildungssprache)
Priamos (König von Troja während des Trojanischen Krieges, Vater von Hektor und Paris)
Pasiphae (Frau des Königs Minos von Kreta, Mutter des Minotaurus, bekannt für ihre ungewöhnliche Liebe zu einem Stier)
Penelope (Ehefrau des Odysseus, berühmt für ihre Treue und die List, mit der sie ihre zahlreichen Freier während der Abwesenheit ihres Mannes hinhielt. Zwanzig Jahre lang. Unter den Frauen der griechischen Mythologie ist sie eine der standhaftesten)
Oknos (in der Unterwelt dazu verdammt, ein Seil aus Stroh zu flechten, das von einem Esel sofort wieder gefressen wird. Ein Symbol für nutzlose Arbeit, das durchaus modern wirkt)

Oben: Oknos beim Flechten
Orpheus (legendärer Musiker und Dichter, der mit seiner Musik Tiere zähmen und Steine bewegen konnte. Er unternahm eine Reise in die Unterwelt, um seine verstorbene Frau Eurydike zurückzuholen. Es klappte fast)
Nestor (König von Pylos, berühmt für seine Weisheit und Langlebigkeit, spielte eine beratende Rolle im Trojanischen Krieg. Nestor ist der Typ, den alle fragen, wenn sie nicht weiterwissen)
Melampous (Seher und Heiler, einer der Argonauten, bekannt für seine Fähigkeit, mit Tieren zu sprechen)
Kirke (Zauberin, die auf der Insel Aiaia lebt, bekannt dafür, Odysseus‘ Männer in Schweine zu verwandeln, und später eine Helferin und Geliebte des Odysseus)
Wie schreibt man es richtig?
- Kirke (häufig in deutschen Texten und Übersetzungen, näher an der ursprünglichen griechischen Schreibweise Κίρκη)
- Circe (verbreitet in englischsprachigen und vielen anderen europäischen Texten, basierend auf der lateinischen Schreibweise)
- Zirze (eine weniger gebräuchliche Variante, die manchmal in älteren deutschen Texten oder in spezifischen literarischen Kontexten auftaucht)

Oben: Kirke und die Schweine
Was diese Figuren verbindet
Keine Götter, aber auch keine gewöhnlichen Menschen. Die hier versammelten Gestalten bewegen sich in einem Zwischenreich, das die griechische Mythologie so faszinierend macht. Manche von ihnen waren Halbgötter, andere schlicht sterblich. Aber ihre Geschichten haben überlebt, weil sie etwas Allgemeingültiges erzählen: von Ehrgeiz und Scheitern, von Treue und Verrat, von der Frage, wie weit ein Mensch gehen darf.
Viele dieser Figuren tauchen als berühmte Paare der griechischen Mythologie auf. Andere hat man in Bildern und Skulpturen festgehalten. Wie sie möglicherweise wirklich ausgesehen haben, ist eine eigene Geschichte.