41 Begriffe aus der Bildungssprache, die dich überraschen werden

41 Begriffe aus der Bildungssprache, die dich überraschen werden

Afterwissenschaft. Kokotte. Pornophil. Ja, das sind tatsächlich bildungssprachliche Begriffe. Kein Scherz.

Die Bildungssprache hat ihre Kuriositäten. Wörter, bei denen man zweimal hinschaut. Wörter, die aus der griechischen Mythologie stammen oder aus längst vergangenen Epochen. Wörter, die völlig harmlos klingen, aber etwas ganz anderes bedeuten. Hier sind 41 davon – geprüft, echt und garantiert überraschend.

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Die Liste

  1. Adnex – Anhang
  2. Afterwissenschaft – bezeichnet abwertend eine Pseudowissenschaft oder eine Lehre, die wissenschaftlichen Anspruch erhebt, ohne den methodischen und inhaltlichen Kriterien seriöser Wissenschaft zu genügen.
  3. Aplomb – unerschütterliche Selbstsicherheit oder Gelassenheit, besonders in schwierigen Situationen.
  4. Bronze – hier ist nicht das Metall gemeint, sondern ein Kunstgegenstand aus demselben.
  5. Bunkermentalität – auch das ist Bildungssprache. Gemeint ist eine defensive oder paranoide Denkweise, die oft in Krisenzeiten oder bei Bedrohungsszenarien auftritt.
  6. Cicisbeo – italienisch auszusprechen, bezeichnet den Galan oder Hofliebhaber einer verheirateten Frau, besonders in der italienischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Es gibt sogar einen Wikipediaeintrag dazu.
  7. Domizilieren – Wohnsitz nehmen; das Einrichten oder Beziehen eines festen Wohnsitzes an einem Ort.
  8. Dunkelmann – geheimnisvolle oder undurchsichtige Person; jemand, dessen Handlungen oder Motive verborgen oder rätselhaft sind.
  9. Engführung – hat nichts mit Tanzen zu tun; in der Musik eine enge thematische Verarbeitung, in der Literatur eine dichte, auf Reduktion zielende Darstellungsweise.
  10. Ewigweibliches – ein Konzept, das die zeitlose, ideale Essenz der Weiblichkeit beschreibt, oft in der Literatur und Kunst verwendet.
  11. Fabulant – (selten) Schwätzer, Schwindler; eigentlich jemand, der fantastische Geschichten erfindet.
  12. Filius – bedeutet Sohn und wird oft in formalen oder historischen Kontexten verwendet.
  13. Ganymed – junger männlicher Kellner, Ober.
  14. Heroin – hier ist nicht die Droge gemeint, sondern eine Heldin, eine weibliche Person, die für ihre Tapferkeit oder herausragende Taten bewundert wird. Die Betonung liegt auf dem »o«.
  15. Hintertreppenroman – ehemaliges Genre der Literatur, das sich durch melodramatische und skandalöse Handlungen auszeichnet, oft mit Fokus auf die dunklen Geheimnisse der Gesellschaft.
  16. Kokotte – für ein leichtfertiges Mädchen, eine Prostituierte. Abgeleitet übrigens von dem französischen Wort für Hühnchen.
  17. Korah – eine Figur aus der Hebräischen Bibel, speziell im Buch Numeri.
  18. Kothurn – (auch Coturn) ein hoher, oft mit dicken Sohlen versehener Schuh, der im antiken Griechenland von Schauspielern auf der Bühne getragen wurde, um deren Statur zu erhöhen.
  19. Küchenkabinett – eine informelle Gruppe von Beratern eines Politikers oder einer Führungsperson, die nicht offiziell zum Kabinett gehören.
  20. Lukullus – Genussmensch; steht metaphorisch für eine Person, die exzessiven Luxus und kulinarische Genüsse schätzt. Benannt nach dem römischen Feldherrn und Gourmet Lucullus.
  21. Mänade – vor Verzückung zügellos rasendes Weib, vom Alkohol berauscht.
  22. Miszellanen – Sammlung von verschiedenen literarischen Texten oder Notizen, oft ohne direkten Zusammenhang, in einem einzigen Werk oder Band.
  23. Morbidezza – Begriff aus der Kunst für die Darstellung von weicher, zarter Haut; eine außergewöhnlich feine und lebensechte Textur in der Malerei oder Skulptur.
  24. Mouche – Schönheitspflästerchen; ein kleines, oft dekoratives Pflaster, das im 18. Jahrhundert von Frauen verwendet wurde, um ihre Schönheit zu betonen.
  25. Nimrod – großer Jäger; wird verwendet, um eine Person zu beschreiben, die als geschickter oder enthusiastischer Jäger gilt. Basiert auf der biblischen Figur.
  26. Olim – einst, in der Vergangenheit; wird verwendet, um auf frühere Zeiten hinzuweisen.
  27. Paterfamilias – Familienoberhaupt; bezeichnet in der römischen Kultur den männlichen Familienoberhaupt mit rechtlicher und moralischer Autorität.
  28. Periöke – Einwohner des antiken Griechenlands, speziell in der Polis Sparta, mit einer besonderen sozialen Stellung.
  29. Per pedes – zu Fuß gehen; sich ohne Fahrzeug oder Tier fortbewegen.
  30. Phäake – männliche Person, die das Leben sorglos genießt; eine Figur aus der griechischen Mythologie, speziell aus Homers Odyssee.
  31. Phantasmagorie – Trugbild, Wahngebilde; eine illusionäre oder traumhafte Szenerie, oft in der Literatur oder Kunst verwendet.
  32. Pli – Schliff, Gewandtheit. So kurz kann Bildungssprache sein.
  33. pornophil – Vorliebe für pornografisches Material habend (Adj.).
  34. Prä – Vorrangstellung. Beispiel: »Sie hatte das Prä, die übrigen Führungskräfte durften sich einreihen.«
  35. Retirieren – sich zurückziehen, oft aus strategischen Gründen.
  36. Schlemihl – Pechvogel, Unglücksrabe; jemand, dem aus Dummheit nichts gelingt.
  37. Scilicet – lateinisch für »nämlich« oder »und zwar«; wird zur Klärung oder Präzisierung einer Aussage verwendet.
  38. Shylock – Figur aus Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig«, ein Geldverleiher, der für seine Forderung nach einem Pfund Fleisch bekannt ist.
  39. Sibylle – weibliche Figur der antiken Mythologie, die als Prophetin galt und göttlich inspirierte Weissagungen verkündete.
  40. Sophisma – argumentative Aussage oder Schlussfolgerung, die bewusst irreführend konstruiert ist, um in einer Diskussion zu täuschen.
  41. Thespiskarren – steht metaphorisch für eine Wanderbühne. Benannt nach dem griechischen Dichter Thespis, der als erster einen Wagen für Aufführungen nutzte.
  42. Troubadour – mittelalterlicher Dichter und Sänger, der vor allem in der okzitanischen und provenzalischen Kultur Lieder über höfische Liebe vortrug.

Diese Wörter in freier Wildbahn

Wie klingen diese Begriffe im tatsächlichen Gebrauch? Hier sind drei Fundstücke aus der Literatur:

Robinson ließ, solange sich der Kellner in seiner Nähe befand, seine Blicke unentwegt auf dem langen Text der Depesche ruhen. Erst als der Ganymed sich seinen übrigen Obliegenheiten widmete, reichte der Sekretär das Blatt weiter.

Edgar Wallace: Der Preller, 1927

Der Fabulant selbst war die Hauptfigur des Stücks, und gutherzige Züge aus seinem Leben, Wunderlichkeiten harmloser Art, die er begangen hatte, und zuguterletzt sein seliges Ende samt poetischer Apotheose bildeten den Inhalt.

Robert Waldmüller: Don Adone, 1901

Das schlecht bezahlte Schauspielervolk Chinas, besonders die, die müde sind, den Thespiskarren weiter durch den Schlamm zu ziehen, eilen zu den Fahnen Wu Tschan djiaos.

Fritz Secker: Schen – Studien aus einer chinesischen Weltstadt, 1913

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage