
Babylon ist bis heute ein Schimpfwort. Die »Hure Babylon« aus der Offenbarung des Johannes, die apokalyptische Metapher für alles Verruchte, Dekadente, Abzuschaffende. Im Rastafari steht Babylon für das System der Unterdrückung, in der Popkultur für verlorene Pracht. Ein Sammelbegriff für Sünde.
Nur: Die reale Stadt war etwas anderes. Sie hatte womöglich 200.000 Einwohner zu einer Zeit, als die meisten Siedlungen Europas aus ein paar Dutzend Hütten bestanden. Sie lag am Euphrat, 85 Kilometer südlich des heutigen Bagdad. Und ihre Hauptbeschäftigung war nicht Orgie, sondern Verwaltung.
Ihr berühmtestes Bauwerk steht übrigens in Berlin. Das Ischtar-Tor, leuchtend blau glasiert, verziert mit Stieren und Drachen, empfängt Besucher im Pergamonmuseum in Berlin (wenn es denn geöffnet hätte …). Was von Babylon in Babylon selbst übrig ist, passt auf kaum eine Postkarte.










