
Stell dir vor, du stehst im September des Jahres 9 n. Chr. an einem Waldrand irgendwo zwischen Weser und Ems. Du bist Legionär der 19. Legion, hast dein Gepäck auf dem Rücken, dein Schild am Arm, und vor dir erstreckt sich ein Pfad durch morastiges Gelände, so schmal, dass kaum zwei Männer nebeneinander gehen können.
Es regnet seit Stunden. Dein Scutum, der große Holzschild, hat sich mit Wasser vollgesogen und ist kaum noch zu halten. Irgendwo im Dickicht bricht ein Ast. Vielleicht ein Tier. Vielleicht auch nicht.
Was in den nächsten drei bis vier Tagen geschehen wird, verändert den Lauf der europäischen Geschichte. Drei komplette Legionen, bis zu 20.000 Mann mitsamt Tross, werden aufhören zu existieren. Ihr Befehlshaber wird sich ins eigene Schwert stürzen.
Und in Rom wird Kaiser Augustus, so die Überlieferung, gegen die Wände seines Palastes schlagen und schreien: »Quintili Vare, legiones redde!« Quinctilius Varus, gib mir meine Legionen zurück.




