
Maskuline Substantive aus der Bildungssprache sind erstaunlich selten. Die Gründe dafür liegen in der Sprachgeschichte: Lateinische und griechische Lehnwörter, die den Kern der Bildungssprache bilden, bezeichnen oft abstrakte Konzepte, und die landen im Deutschen überwiegend beim Neutrum oder Femininum.
Hier sind 47 maskuline Substantive, die es trotzdem in den bildungssprachlichen Kanon geschafft haben. Allen gemeinsam ist das Maskulinum, das männliche Genus. Das macht sie stark und unverwechselbar. Die Erklärungen beziehen sich auf die bildungssprachliche Verwendung, außerhalb davon kann die Bedeutung abweichen.
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Wer die weibliche und sächliche Seite sucht: Es gibt 99 feminine Substantive und 45 neutrale Substantive als ergänzende Listen. Für Adjektive und Verben der Bildungssprache gibt es eigene Übersichten.
Die Liste: 47 maskuline Substantive der Bildungssprache
- Adept – Ein Eingeweihter oder Fachmann in einer speziellen Kunst oder Wissenschaft.
- Äon – Zeitalter, Ewigkeit, unendlicher Zeitraum
- Affekt – Eine plötzliche, starke Gefühlsregung.
- Affront – Schmähung, Beleidigung, Kränkung
- Anachronismus – falsche zeitliche Einordnung, überholte Einrichtung oder Ansicht
- Antagonist – Gegner, Widersacher
- Antagonismus – Gegensatz, Widerstreit
- Aphorismus – kurze, prägnante Aussage, die eine allgemeine Wahrheit oder Weisheit auf den Punkt bringt.
- Aspekt – Standpunkt, Blickwinkel
- Defätismus – pessimistische Einstellung zur Lage
- Delinquent – Verbrecher, Straftäter
- Diabolos – Teufel
- Dialog – Wechselrede, Gespräch, Konversation
- Diskurs – Erörterung, Diskussion
- Disput – Streitgespräch
- Dissens – Meinungsverschiedenheit
- Eklektizismus – Die Praxis, Ideen, Stile oder Geschmäcke aus einer breiten und vielfältigen Palette von Quellen zu übernehmen.
- Elan – innerer Schwung, Spannkraft, Begeisterung
- Euphemismus – Ausdruck, der einen Sachverhalt beschönigend, mildernd oder in verschleiernder Absicht darstellt
- Exodus – Auszug, Emigration
- Exkurs – Einschub eines Themas in einen Text, der mit dem eigentlichen Thema nur entfernt zu tun hat; Abschweifung
- Exzess – Ausschweifung; Maßlosigkeit
- Fauxpas – Verstoß gegen gesellschaftliche Umgangsformen, Taktlosigkeit
- Fokus – Schwerpunkt, Mittelpunkt des Interesses
- Hedonismus – Eine Lebensphilosophie, die das Streben nach Vergnügen als höchstes Gut betrachtet.
- Heroismus – Heldentum
- Impetus – innerer Antrieb, Anstoß, Impuls
- Konfident – Vertrauter oder Freund
- Konsens, auch Konsensus – Übereinstimmung der Meinungen
- Kontext – Zusammenhang
- Kosmos – Weltraum, Weltall, die Welt als Ganzes
- Lapsus – Versehen, Fehler, Ungeschicklichkeit
- Lapsus Linguae – Versprecher, Sichversprechen
- Mentor – Ein Berater oder Lehrer, oft eine erfahrenere Person, die jüngere anleitet.
- Modus – Verfahrensweise, Art des Vorgehens
- Nepotismus – Vetternwirtschaft, Günstlingswirtschaft
- Nimbus – Ansehen, glanzvoller Ruhm
- Okzident – Abendland
- Prätendent – Anwärter auf ein Amt; jemand, der Anspruch auf ein Amt erhebt
- Provokateur – Aufwiegler, jemand, der durch sein Verhalten andere herausfordert; der absichtlich für Unfrieden sorgt
- Obolus – Ein Beitrag oder eine kleine Summe Geld, oft symbolisch gemeint.
- Querulant – Person, die sich ständig wegen jeder Kleinigkeit beschwert
- Renommee – guter Ruf, Leumund, hohes Ansehen
- Revenant – Geist, Gespenst, Wiedergänger
- Solitär – Einzelgänger
- Stimulus – Anreiz
- Stoizismus – gelassene Haltung, Gleichmut
- Suizid – Selbstmord, Freitod
Zum Revenant: Wenn deutsche Sprecher ursprünglich französische Wörter verwenden, passen sie die Aussprache oft ans Deutsche an. In bildungssprachlich bewanderten Kreisen behält man die französische Aussprache bei. Fauxpas hingegen wird immer französisch ausgesprochen.
Wie machen sich diese Wörter in der Praxis?
Bildungssprachliche Substantive entfalten ihre Wirkung erst im Satz. Hier sind drei Beispiele aus der klassischen Literatur:
Er wählte einen unglücklichen Tag, fühlte sich ohne rechten Stimulus und trank beinahe verdrossen. Da sank er urplötzlich – es war nach der einundzwanzigsten Maß – lautlos unter den Tisch und hatte aufgehört zu sein. Ein würdiges Ende!
Friedrich Schlögl (1821–1892), Skizzen: Fresser und Säufer
Nie sind sie verlegen, wie sie die oder jene ausländische Delikatesse essen müssen, nie begehen sie einen Fauxpas in dieser Beziehung. Sie sind ganz Dame. In ihrer Kleidung beweisen sie vollendeten Geschmack, um den die wirklichen Damen sie beneiden.
Gertrude Aretz: Die elegante Frau, 1929
Immer ist bei ihm der Impetus mehr ein moralischer als ein künstlerischer, immer fühlt er die Verantwortung einer Nation in sich.
Stefan Zweig: Romain Rolland, 1925